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Digitalisierung und Arbeitswelt

17. August 2016 verfasst von Astrid Radtke

Je länger ich mich mit dem Thema Digitalisierung und Arbeitswelt auseinandersetze, umso mehr stelle ich fest, dass ich nur die vielen verschiedenen Aspekte anreißen kann. Die Digitalisierung, betrifft neben der Entwicklung in der Arbeitswelt, zusätzlich immer mehr den Alltag.

Bereits 2009 befasste sich die Süddeutsche Zeitung bei dem Thema „Unternehmen 2.0“ mit der Digitalisierung der Arbeit. Computergesteuerte Fertigung hat schon längst die Akkordarbeit am Fließband ersetzt. Waren damals Blogs und Intranet Besonderheiten, um den Kontakt zu Kunden, Interessenten und Mitarbeitern zu intensivieren, so geht es heute um den globalen Informationsaustausch teils hochsensibler Daten in Echtzeit.

Digitalisierung – was sie schon gebracht hat

Bereits 2009 sah August-Wilhelm Scheer in einem Gastbeitrag in der Süddeutschen Zeitung die Möglichkeiten digitalisierter Arbeitsplätze

  • Flexible Arbeitsbedingungen
  • Transparenz der Arbeitsabläufe für Mitarbeiter und Kunden
  • Besserer Austausch in Teams bei Projekten
  • Abfragen zu Serviceleistungen aller Art an fast jedem Ort

 
Früher kannte ich alle Telefonnummern meiner Kontakte auswendig. Leider habe ich mein Gehirn durch die Telefonbuchfunktion dahingehend nicht mehr trainiert. Zahlenkombinationen kann ich mich mir seither nicht mehr so leicht merken. Das Problem mit unterschiedlichen Passwörtern, die den notwendigen Sicherheitsstandards entsprechen, kennen auch die meisten. Heute bricht die Panik aus, wenn das Handy weg ist, weil damit auch alle Telefonnummern verschwunden sind. Und nicht nur da haben wir unser Gedächtnis in die Technik verlagert.

Jede Information kann überall abgerufen werden, das Handy bzw. Smartphone als Telefon ist zweitrangig, es erfüllt eher die Funktion einer Sekretärin.

Flexibilität heißt andererseits ständige Verfügbarkeit und das überall, das gilt genauso für die Arbeitszeit wie für den Ort der Arbeit. Jobnomaden wären möglicherweise die Regel.

Die große Befürchtung: Maschine ersetzt Mensch

Schon immer sind mit neuen Techniken alte Arbeitsplätze verschwunden. Ob es nun die Spinning Jenny war, die die Arbeit der Weber überflüssig machte und die Landbevölkerung in die Fabriken der Städte trieb, oder die Elektrizität, die es ermöglichte, Straßenbahnen in der Stadt fahren zu lassen und damit die Droschke aus dem Straßenbild entfernte. Doch mit der neuen Technik kamen völlig neue Arbeitsplätze. Wir kennen die Entwicklung besonders deutlich im Bereich PC vom Stehpult über die Schreibmaschine bis zu Softwareprogrammen, die einen Großteil alter Berufe der Verwaltung ersetzen bzw. eine völlig neue Arbeitsweise erfordern.

Mit der Digitalisierung ist zudem eine neue Akkordarbeit entstanden: Clickworker – vor allem im Bereich Texten und Recherchieren – übernehmen Tätigkeiten, die ihnen ihr Einkommen nur sichern, wenn sie entsprechend schnell arbeiten. Dass die Qualität dabei auf der Strecke bleibt, scheint den Auftraggebern oft zweitrangig.

Viele Vorgänge können durch eine Software automatisiert werden. Mit dieser Automatisierung, bedingt durch Vorgänge, die ein Algorithmus als „eine exakt beschriebene Vorgehensweise zum Lösen eines Problems in endlich vielen und eindeutig beschriebenen Schritten“ übernimmt, verschwinden zwangsläufig Arbeitsplätze. Dieser Algorithmus ist lernfähig, so dass mögliche Änderungen selbstständig vollzogen werden „Die Cognitive-Computing-Technologien sind in der Lage, riesige Mengen unstrukturierter Daten zu verarbeiten und zu analysieren.“

Arbeitsplatzabbau durch Algorithmen macht nicht einmal vor den Chefetagen auf der Entscheidungsebene Halt.

Algorithmen lösen Aufgaben wie
  • Gutachter bei Versicherung
  • Rezepte für Chefköche
  • Trainer für Fußballprofis
  • Diagnoseplan aufgrund von Krankheitsverlauf und Vorbelastung in der Familie
  • Juristische Recherchearbeit für „komplexe Verhaltens- und Argumentationsmuster“ werden ohne einen Anwalt erledigt

(Quellen heise und FAZ)

Nicht zuletzt wird der Verbraucher immer mehr in die Pflicht genommen:

  • Online-Banking war nur der Anfang.
  • Die Steuererklärung soll in wenigen Jahren nur noch online möglich sein.
  • Viele Formulare können nur noch online ausgefüllt werden.
  • Der automatische Fahrkartenschalter bei einer unübersichtlichen Tarifstruktur – unabhängig, ob bei Bus oder Bahn – ist für viele ein Ärgernis.
  • Das selbstständige Einscannen von Waren nach dem Kauf ist schon in der Erprobung.

 
Für jede Tätigkeit, die der Verbraucher übernehmen muss, fallen Arbeitsplätze weg bzw. werden bei Inanspruchnahme der Dienstleistung Servicegebühren verlangt.

Digitalisierung für mehr Sozialstaat und mehr Umweltschutz?

Wenn ich lese, dass mit der Digitalisierung der Sozialstaat gefördert wird, weil die Menschen gesünder leben und sich den Stress beim Autofahren sparen können, komme ich doch ins Grübeln. Das Auto ist heute nicht mehr der größte Umweltzerstörer. Nicht nur, dass die Technik – trotz aller Mogeleien – umweltfreundlicher ist als noch vor Jahrzehnten, auch die Möglichkeit, von Zeit zu Zeit von zu Hause aus zu arbeiten, wird immer mehr genutzt. Das entzerrt den Verkehr und vermeidet vor allem in den Städten die Luftverschmutzung.

Was dabei völlig unterschlagen wird ist, dass mit den vielen Aufgaben, die das Internet für Millionen von Menschen übernehmen muss, der Energieverbrauch immens steigt und zudem die Ressourcen durch ständig verbesserte Geräte immer knapper werden. Deshalb sehe ich keinen Vorteil für die Umwelt. Die Geräte selbst werden zwar immer effizienter, der Zugriff auf die Daten, die in der Cloud abgelegt sind, erhöht sich aber in unvergleichlichem Maße.

Rechenzentren, wo die Clouds letztendlich ihre Daten sammeln, gelten darum als Stromfresser. So gehen Experten laut SWR von einer Steigerung des Stromverbrauchs trotz verbesserter Technik bis 2020 um nochmal 20 % aus. Ganz abgesehen davon, dass die Clouds nicht die Sicherheit gegen Hacker bieten, die stets versprochen wird. Das hat jetzt erst die NSA erlebt.

Digitalisierung: Daten in Clouds ©Bürodienste-in

Digitalisierung: Daten in Clouds
©Bürodienste-in


Warum weniger Menschen auf der Straße schlafen werden, wenn die Digitalisierung voranschreitet, wie Stefan Dörner auf tn3 mutmaßt, erschließt sich mir beim besten Willen nicht. Wenn immer mehr Maschinen die Arbeit von Menschen übernehmen, werden sie am wenigsten von den Konzerngewinnen profitieren. Denn hierzu fehlen die Voraussetzungen. Zunächst verschwinden Arbeitsplätze, und die neu entstandenen sind nur für gut ausgebildete Spezialisten im IT-Bereich möglich. Und was sehr gern übersehen wird: Der Mensch arbeitet gern und bewegt sich gern in dem sozialen Umfeld, das ihm der Arbeitsplatz bietet. Die Gewinne durch die Maschinen müssten dem sozialen Einkommen zugutekommen, damit die Menschen tatsächlich ihre Bedürfnisse befriedigen können. Die Idee einer Maschinensteuer ist nicht falsch, doch werden die Unternehmen, die auf Maschinen statt Menschen setzen, sich sicher mit allen ihren Möglichkeiten dagegen wehren.

Die Ideen zur Digitalisierung sind inzwischen weit fortgeschritten, der Umgang der Unternehmen vor allem im deutschsprachigen Raum ist dagegen eher zögerlich. Deutsche Führungskräfte sind auf diese Art der Technik unzureichend vorbereitet und die Weiterbildung für die Mitarbeiter lässt entsprechend zu wünschen übrig.

Internet der Dinge

Gabler Wirtschaftslexikon definiert das Internet der Dinge „die Vernetzung von Gegenständen mit dem Internet, damit diese Gegenstände selbstständig über das Internet kommunizieren und so verschiedene Aufgaben für den Besitzer erledigen können. Der Anwendungsbereich erstreckt sich dabei von einer allg. Informationsversorgung über automatische Bestellungen bis hin zu Warn- und Notfallfunktionen.“

  • Die Heizung, die von unterwegs reguliert werden kann
  • Der Kühlschrank, der meldet, was ich noch einkaufen muss
  • Die Uhr signalisiert mir, dass ich mich zu wenig bewegt habe

 
Nicht zu vergessen der bargeldlose Zahlungsverkehr, der meine gesamten Einkäufe und Transaktionen erfasst.

Dreh- und Angelpunkt für all diese Informationen sind die Daten in der Cloud. Es wird zwar immer wieder versprochen, dass die Daten dort völlig sicher vor unbefugten Eingriffen liegen, doch bleibt eine gewisse Skepsis nicht nur für Unternehmen, die viel mit Innovationen zu haben. Das trifft den normalen Bürger genauso, der über Smartphone seine ganze Haustechnik einschließlich der Einkaufsliste im Blick hat und auf Schritt und Tritt unter Beobachtung steht.

Was das Internet der Dinge bedeutet, zeigt hier Christoph Sieber satirisch überzeichnet auf.

Die Frage möchte ich dennoch stellen: Wenn nur noch Maschinen für den Menschen denken, was wird aus unserem Gehirn, das ständig „Nahrung” benötigt, um sich weiter zu entwickeln?

Denn bei dem durchdachtesten System bleibt beim Algorithmus immer noch die Schnittstelle Mensch – Maschine. Je weniger Menschen aufgrund ihrer Ersetzbarkeit durch den Algorithmus damit befasst sind, umso interessanter ist es für andere, diese Schnittstelle zu überwinden, um die Daten für eigene Zwecke zu (miss-)brauchen.

Ob die Digitalisierung weder Fluch noch Segen ist, zeigt sich darin, wie verantwortungsvoll damit umgegangen wird. Dieser Umgang weist den Weg. Dazu müssen auch die Vor- und Nachteile klar sein. Letztendlich wird von einer Technologie geschwärmt, die noch gänzlich unausgereift ist in Sicherheit, Verlässlichkeit und Notwendigkeit. Die Cloud als Dreh- und Angelpunkt für alle personenbezogenen Daten bleibt in meinen Augen die Schwachstelle für die Digitalisierung der gesamten Lebenswelt. Welches Bild meine Algorithmen aufgrund der in der Cloud liegenden Daten ergeben, verursacht bei mir doch eher Unbehagen.

Es bleibt auch die Frage, was passiert bei einem Ausfall, wenn letztendlich alles mit allem vernetzt ist. Der Zusammenbruch an einer Stelle des Systems löst so meines Erachtens eine Kettenreaktion aus.

Da es sehr viele unterschiedliche Ansätze und Informationen zum Thema gibt, habe ich hier eine kleine Linkaufstellung zu den unterschiedlichen Sichtweisen zusammengestellt, zu denen ich in Text Bezug nehme:

 

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Astrid Radtke

Über Astrid Radtke:

Astrid Radtke ist die Initiatorin von "Bürodienste in" Baden-Württemberg, Bayern und Rheinlandpfalz. Sinn des Projekts ist es qualifizierte Bürodienstleister zusammenzuführen und Unternehmen die regionale Suche zu erleichtern. Das Blog ergänzt mit Beiträgen die Kompetenz der Bürodienstleister und zeigt die Vielfalt der Leistungen auf.

3 Kommentare zu “Digitalisierung und Arbeitswelt”

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