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PKV – und jedes Jahr eine Erhöhung

23. März 2017 verfasst von Astrid Radtke

Wenn die Beiträge der gesetzlichen Krankenversicherungen zu steigen drohen, ist der Ärger groß – nicht unberechtigt. Dass die Privaten Kassen auch jedes Jahr ihre Beiträge mindestens um 3% erhöhen, geht allerdings häufig unter. Die gesetzlichen Krankenkassen setzen jährlich ihre Beitragsbemessungsgrenzen bzw. Bezugsgrößen für Selbstständige hoch, so dass deren Beiträge kontinuierlich steigen. Dennoch sind diese Steigerungen im Vergleich zu den regelmäßigen Beitragserhöhungen innerhalb der Privaten Anbieter von Krankenversicherungen im Allgemeinen „verschmerzbar“.

PKV-Beiträge existenzgefährdend

Und jährlich grüßt das Murmeltier: Beitragserhöhung der Krankenkassen für Selbstständige und Privatversicherte. Vor allem für selbstständige Solounternehmer wird das zu einer schwer zu stemmenden Belastung. Beitragserhöhungen und Anpassungen können für Selbstständige das „Aus“ für die Selbstständigkeit bedeuten.

Es ist mir unverständlich, warum Versicherungen den Ruin ihrer Versicherten in Kauf nehmen. Muss der Selbstständige seine Existenz aufgeben, werden die Krankenkassenbeiträge im Rahmen der gesetzlichen Krankenkassen vom Steuerzahler im Rahmen von ALG II übernommen. Die PKV ist vor allem für Soloselbstständige eine teure Falle und wird für immer mehr Versicherte zu einem Armutsrisiko.

PKV-Wechsel in GKV fast ausgeschlossen

Alle paar Jahre heben die Privaten Krankenkassen ihre Beiträge drastisch an. Waren es 2012 bis zu 50% sind es 2017 immerhin 12%. Der Wechsel von der PKV in die GKV ist ausgesprochen schwierig bis unmöglich. Während sich die GKV – auch bei Selbstständigen – am Einkommen orientiert, ist der Beitrag der PKV einkommensunabhängig. Bei schwankendem Einkommen erhöhen diese Beiträge das Betriebsrisiko für Soloselbstständige, aber auch für kleine Unternehmen, immens.

Wer wieder als Angestellter arbeitet, kann die Private Versicherung verlassen, solange das Einkommen unter der Beitragsbemessungsgrenze liegt. Wer über der Beitagsbemessungsgrenze liegt, sollte sich seinen Wechsel in die Private Krankenkasse dennoch gründlich überlegen. Ein günstiger Einstiegstarif für einen jungen Versicherungsnehmer ohne Anhang, mag zunächst lukrativ erscheinen. Kommt Familie dazu, sieht es schon ganz anders aus und die kontinuierlich steigende Beiträge für die einzelnen Familienmitglieder reißen ein großes Loch in das Familienbudget.

Ganz ausgeschlossen ist ein Wechsel über 55 Jahre. Viele wechseln dann in einen Basis- bzw. Standardtarif mit den gleichen Leistungen wie bei Patienten der gesetzlichen Krankenkassen. Das bedeutet: „Für 683 Euro im Monat bekommen Privatversicherte dann doch nur Kassenleistungen“.

Tarifwechsel innerhalb der PKV

Es bietet sich innerhalb der PKV den Tarif zu wechseln. Die Altersrücklage geht dabei nicht verloren. Natürlich sind die Kassen von einem Tarifwechsel in einen niedrigeren Tarif nicht begeistert, so dass von dort selten Hilfe zu erwarten ist. Bei niedrigen Zinsen schrumpft diese Altersrücklage jedoch. Das ist zur Zeit das Problem für die PKV, so dass sie ihre Beiträgen anpassen. Diese Anpassung gilt dann auch für den Basistarif.

Inzwischen gibt es Online-Hilfen, die die Recherche übernehmen und beratend zur Seite stehen. Kostenfrei ist das sicher nicht, aber bei den teilweise exorbitanten Erhöhungen sicherlich überlegenswert.

Tarifwechsel innerhalb der PKV bringt Ersparnisse

Ein Tarifwechsel in einen sog. Grundtarif darf entsprechend dem Versicherungsgesetz keinen Einfluss auf die bisher erworbene Leistung wie Altersrücklage haben.

Das gilt allerdings nur für ein bestehendes Vertragsverhältnis. Bei einem Wechsel in eine andere PKV muss möglicherweise mit Leistungsabstrichen gerechnet werden. Hier sollte also auch unbedingt Beratung in Anspruch genommen werden. Bei rund 4.000 Tarifen erscheint mir das angebracht.

Als letzter Ausweg bietet sich ein Basistarif an. Der scheint zunächst günstig und soll die Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherungen beinhalten. Trotzdem bleiben viele in diesem Tarif auf bereits bezahlten Rechnungen sitzen.

Einstiegstarife verlockend

Vor allem für jüngere Starter sind die Angebote der privaten Versicherer verlockend. Während sie bei der gesetzlichen Versicherung gleich von Anfang an mit über 200,00 Euro rechnen müssen, können sie zu günstigen Tarifen bei der PKV einsteigen. Wer kennt sie nicht die Angebote für 59,00 € bereits privat versichert.

Das ändert sich im Laufe der Zeit und mit dem Alter allerdings diametral. Während bei den GKVs, die Beiträge relativ konstant bleiben und sich an (nicht nachvollziehbaren) Bezugsgrößen ausrichten, wird die PKV kontinuierlich erhöht. Zusatzversicherungen bei der GKV ermöglichen manche Vorteile der privaten Versicherungen und können jederzeit gekündigt werden.

Der Beitrag richtet sich nicht am Einkommen aus und kann damit in einem schlechten Geschäftsjahr für einen Einzelunternehmer das „Aus“ für die Selbstständigkeit bedeuten.

Krankenversicherung langfristig planen

Vor allem für Starter ist die Versuchung die günstigen Einstiegstarife der PKV in Anspruch zu nehmen. Wer sich in Foren informiert, wird zwei scharf getrennte Lager finden. Die einen schwören auf PKV, die anderen auf GKV. Die Informationen der verschiedenen Lager können zwar durchaus hilfreich sein, aber Recherche ist zwingend notwendig. Deshalb muss die Krankenversicherung langfristig geplant werden. Dazu gehört, dass Sie die Kosten für Krankenversicherung mit den steigenden Kosten und dem zu erwartenden Einkommen im Alter berücksichtigen.

Möglicherweise ist auch eine Mischung sinnvoll. Die Grundversorgung über die GKV absichern und Zahnersatz, Krankentagegeld etc. privat extra versichern.

Bei einem Einzelunternehmen ist es nicht immer sicher, ob im Alter wirklich hohe Versicherungsbeiträge geleistet werden können und ist abhängig von einer Altersversorgung, die auf einem festen Fundament steht. Die Problematik des Einzelunternehmers liegt sicher in einem oft stark schwankendem Einkommen.

Auch bei der Gesetzlichen Krankenversicherung gibt es Situationen, die zu großen Engpässen führen können. Von der Bezugsgröße gehen grundsätzlich Arbeitnehmer- und Arbeitgeberbeitrag weg, die ein Einzelunternehmer allein stemmen muss. Allerdings gehen diese rund 15% nicht wie beim Angestellten und Arbeitgeber von einem realen Einkommen aus, sondern von einer Bezugsgröße. Damit steigen die Kosten für die GKV manchmal bei einem Selbstständigen proportional zum fallenden Einkommen.

Einzelunternehmer haben leider keine Lobby, die helfen würde diese Schieflage endlich zu beseitigen.

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Astrid Radtke

Über Astrid Radtke:

Astrid Radtke ist die Initiatorin von "Bürodienste in" Baden-Württemberg, Bayern und Rheinlandpfalz. Sinn des Projekts ist es qualifizierte Bürodienstleister zusammenzuführen und Unternehmen die regionale Suche zu erleichtern. Das Blog ergänzt mit Beiträgen die Kompetenz der Bürodienstleister und zeigt die Vielfalt der Leistungen auf.

3 Kommentare zu “PKV – und jedes Jahr eine Erhöhung”

  1. Andresen sagt:

    Man darf auch nicht vergessen, dass man aus der PKV nicht einfach so zurückwechseln kann. Auf http://www.toptarif24.com gibt res eine Anleitung wie man aus der PKV wieder herauskommt. Am besten ist natürlich man wird wieder Angestellter 😉

    Der PKV Verband (www.pkv.de) rät dazu, dass man sich vorher gut überlegen soll in die PKV zu wechseln, weil ein Wechsel in die GKV danach so gut wie unmöglich ist.

  2. Wer sich beraten lassen will, kann sich nan einen unabhängigen Versicherungsberater wenden. Dort sollte im Vorfeld die Beratungskosten geklärt werden:
    http://www.versicherungsberaterin.net/wordpress/2014/02/rechtsanwaltsverguetungsgesetz-versicherungsberater/

  3. […] PKV – und jedes Jahr eine Erhöhung Astrid Radtke (@BD_in) in Bürodienste […]

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