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Momo im Alltag – gegen den „gemeinen“ Zeitfresser

23. Oktober 2016 verfasst von Astrid Radtke

„Momo“ von Michael Ende – Sie erinnern sich: Die Gesellschaft der grauen Herren, die versuchten, die Menschen dazu zu bringen, Zeit zu sparen. In Wirklichkeit werden sie aber um ihre Zeit betrogen. Im Gegenteil je mehr Zeit sie „einsparen“, umso schneller vergehen Tage und Wochen.

Die Zeit ist immer gerade da, wo wir nicht sind, und so laufen wir ihr hinterher. Die Grauen Herren von Momo führen uns täglich vor, mit unserem Zeitverständnis läuft grundsätzlich etwas schief.

Zeit – die meisten Erwachsenen haben immer zu wenig davon beziehungsweise gar keine und befinden sich in einer Art Dauerstress, der ihnen angeblich die Zeit diktiert.

Technik als Zeitfresser

Wir steuern brav dagegen mit Seminaren und Büchern zum Zeitmanagement und nutzen alle technischen Finessen. Und dann ist es gerade die Technik, die uns in unserem Büroalltag helfen soll Zeit zu sparen, mit der aber viel zu viel Zeit vergeudet wird. „Schnell“ ist für uns das wichtigste Wort für unseren Alltag, und dennoch sind wir scheinbar oft nicht schnell genug.

Computer, E-Mail, Internet – alles Helfer, damit wir Zeit sparen können. Unabhängig von externen Helfern sind es vor allem Selbstständige, die PC, Drucker, Internetanschluss, i-Phone, Software und mehr bei Ausfall oder Verzögerungen wieder „schnell“ nutzbar machen möchten, um so schnell wie möglich wieder erreichbar zu sein.

Viel Zeit geht angeblich durch Warten verloren. Dabei vergessen wir, dass eine Vielzahl der Aufgaben, die heute der PC übernimmt, früher eigene Berufe waren. Die Ungeduld ist groß, wenn der Rechner zu langsam hochfährt, die Arbeiten am PC eine Ewigkeit in Anspruch nehmen. Dann entsteht schnell der Verdacht, dass der PC zu alt sei. Dabei wäre das regelmäßige Putzen der Festplatte schon sehr hilfreich, um ausreichend Speicherplatz zur Verfügung zu haben. Aber wer hat dafür schon Zeit?

Stattdessen nerven weitere Unzulänglichkeiten: Der Drucker staut das Papier, der Toner ist gerade leer, der Kopierer ist falsch eingestellt, der Scanner ist außer Betrieb – Alltag eben. Irgendwie geht so viel Zeit „verloren“. Es verfestigt sich der Eindruck: Die Zeit, die durch die elektronischen Mittel gespart wird, geht oft für die Behebung von technischen Problemen verloren. Dabei wäre etwas Gelassenheit ein guter Anfang, um Hektik und dadurch sogar andere (zeitraubende) Fehler zu vermeiden.

Gegen nicht funktionierende elektronische „Helfer“ sind Papier und Stift oft der rettende Ausweg.

Mit der Zeit leben und nicht gegen die Zeit arbeiten

Es ist nicht die „Zeit“, die uns treibt, es ist vielfach unsere Einstellung zur Zeit.

Wahrnehmung von Zeit ist abhängig vom aktuellen Gefühl ©Bürodienste-in

Wahrnehmung von Zeit ist abhängig vom aktuellen Gefühl
©Bürodienste-in

„Kommuniziert“ wird heute fast alles und auf allen möglichen Wegen. Das beginnt mit dem Gespräch im persönlichen Umgang und setzt sich fort in allen Bereichen der neuen Medien.

Der persönliche Kontakt – unabhängig vom Medium – ist ein wichtiges Element der Teilhabe am Leben. Leider verkommt diese Kommunikation immer häufiger zu einem Jammertal.
Geschäftlich wie privat werden Probleme beklagt, aber nicht nach Lösungen gesucht. Das frisst nicht nur Energie im Gespräch, sondern anschließend Zeit, die Sie mit Grübeln zum Thema benötigen, oder damit Sie sich gedanklich wieder sortieren können.

Die Zeit bleibt auch in anderen Bereichen der Kommunikation „hängen“. Sind Sie sich über den „Zeitfresser“ bewusst, können Sie besser gegen steuern.

Die Anlässe, Zeit anders zu gestalten, sind vielfältig
  • Treffen bzw. Meetings
    Treffen mit mehreren Kollegen benötigen trotz einer klar definierten Agenda häufig mehr Zeit als vorgesehen. Die Teilnehmer kommen von Hölzchen auf Stöckchen und sind weit ab vom ursprünglichen Grund des Zusammentreffens, vor allem wenn der Diskussion ein Brainstorming vorausgegangen ist.
    Ein einfaches Mittel solche Treffen schneller zu beenden ist, sie im Stehen abzuhalten.
  • Plaudern in der Kaffeepause
    Wenn der Austausch in der Kaffeepause nur für negativen Büroklatsch verwendet wird und nur besprochen wird, was nicht klappt, wer nicht gegrüßt hat, verschwendet Energie.
    So kehren die Gesprächspartner nicht erholt, sondern eher frustriert an ihren Arbeitsplatz zurück. Die Gedanken sind nicht bei der Arbeit, was natürlich zu Fehlern führen kann, aber auf alle Fälle Zeit kostet.

    Wirken Sie negativen Gesprächen entgegen, indem Sie das Thema wechseln oder sich zurückziehen. Kommunizieren Sie klar, dass Sie sich in Pausen entspannen wollen und negative Gedanken hierbei nicht hilfreich sind.

    Jammern führt zu einer negativen Grundeinstellung, schreibt auch Kompakt in seinem Wissenschaftsmagazin und beeinträchtigt die Gesundheit.

  • Soziale Netzwerke
    In den sozialen Netzwerken oder beim Recherchieren vergeude ich viel Zeit. Überlegen Sie sich in dem Zusammenhang gründlich, welche soziale Medien Sie aktiv nutzen möchten und wie vielen dieser Netzwerke beizutreten für Sie sinnvoll ist. Nicht jeder Link muss zudem gelesen werden.

    Der Wert sozialer Netzwerke im Internet ist vor allem für Einzelunternehmen unbestritten. Die Zeit, die sich damit ver(sch)wenden lässt, verfliegt leider im Nu.

  • E-Mail
    das Mittel zur Kommunikation schlechthin und der damit der der größte Zeitfresser überhaupt.

    Es gibt eine Reihe von Tipps, wie man mit E-Mails umgehen kann. Ich ertappe mich dabei, dass ich nur wenige beherzige.

Freizeit bedeutet Freiheit

Die richtige Einstellung zur Zeit zu finden, fällt vielen schwer. Vergessen Sie nicht: Wir arbeiten, um zu leben. Unser Einkommen ermöglicht uns, die arbeitsfreie Zeit sinnvoll zu nutzen und zu genießen. Wenn ich lese, dass Menschen Tipps geben, wie sie eine 120-Stunden-Woche meistern, beschleicht mich das Gefühl, dass hier Zeit gefüllt werden muss, weil freie Zeit nicht genutzt werden kann. Übermüdung und Konzentrationsmangel führen zu Fehlern, wie sie der Autor durchaus zugibt. Deren Behebung frisst wiederum Zeit – ein Teufelskreis, der zudem äußerst ungesund ist.

Dabei zeigt Schweden, dass nicht die Quantität der Arbeitszeit für die Qualität der erbrachten Leistung ausschlaggebend ist. Sechs Stunden am Tag erbringen ein Höchstmaß an Leistung. Sechs Stunden effizient zu arbeiten, erbringt die gleiche Leistung wie acht bis zehn Stunden. Allerdings nur, wenn die Technik nicht zu längeren Pausen zwingt 🙂

Es ist nicht die „die verlorene Zeit“, die uns unter Druck setzt, sondern die Ansprüche, die wir an uns selber stellen. Wenn PC, Internet, Drucker nicht so wollen wie wir uns das vorstellen, kann eine kleine Pause einen größeren Zeitgewinn bringen als die verzweifelte Suche nach einer schnellen Lösung. Wenn Sie Ihrer Technik etwas Zeit lassen, ist sie manchmal auch wieder viel umgänglicher 😉

Hektik kostet Zeit und Energie. Gehen Sie achtsam mit Ihrer Zeit um, gehen Sie gleichzeitig achtsam mit sich selbst um. Zeit ist für viele Menschen heute so wertvoll, dass sie Zeit verschenken. Gemeinsame Unternehmungen ohne erreichbar zu sein, damit Sie sich ohne Störung anderen Menschen oder sich selbst widmen können, ist heute der Inbegriff für Freiheit.

Nehmen Sie sich bewusst Zeit. Finden Sie Ihre „Zeitfresser“ und üben Sie sich im „Nichts-tun“. Machen Sie es wie die Sonnenuhr.

Sonnenuhr Tegernsee

Zeit genießen wie die Sonnenuhr
©Bürodienste-in

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Astrid Radtke

Über Astrid Radtke:

Astrid Radtke ist die Initiatorin von "Bürodienste in" Baden-Württemberg, Bayern und Rheinlandpfalz. Sinn des Projekts ist es qualifizierte Bürodienstleister zusammenzuführen und Unternehmen die regionale Suche zu erleichtern. Das Blog ergänzt mit Beiträgen die Kompetenz der Bürodienstleister und zeigt die Vielfalt der Leistungen auf.

7 Kommentare zu “Momo im Alltag – gegen den „gemeinen“ Zeitfresser”

  1. Andreas sagt:

    Facebook und Co. sind absolute Zeitfressen, die ich abgeschafft habe. Während ich arbeite ist FB geschlossen. Das ständige melden von Facebook, wenn sich was ändert, hat mich ständig abgelenkt und ständig war ich auf FB.

    • Oh ja, da ist was dran. Jetzt, wo Unternehmensseite und privates Profil parallel laufen, denken manche, ich sei zum Zeitvertreib auf Facebook und schicken PN.
      Den Benachrichtigungen habe ich in Einstellungen unter Benachrichtigung ein Ende gesetzt. Am sichersten ist es aber wirklich nur dann reinzugehen, wenn man Lust auf einen „Tratsch“ hat oder sich über die neuesten Nachrichten informieren möchte.

  2. StefanS sagt:

    Den Vergleich zu Michael Endes Momo, find ich passend. Man versucht immer und überall Zeit zu sparen. Im Endeffekt schafft man es jedoch kaum. Oftmals ist entweder die Technik oder man selbst überfordert. Man sollte lieber auf solides einfach Equipment zurückgreifen, anstatt nicht damit zurecht zu kommen. Denn so verbraucht man meist mehr Zeit als davor. Den Meisten von uns passiert das mit den Emails (siehe : http://www.lookeen.net/de/5881/news/a-fundamental-waste-of-money-through-searching-for-relevant-information/ ). Zum Thema Meetings kann ich nur sagen, dass man möglichst gut vorbereitet sein sollte um Smalltalk und Abschweifungen zu verhindern. Social Media kann Vorteile bieten, wird jedoch oftmals missbraucht.

  3. […] Momo im Alltag – gegen den „gemeinen“ Zeitfresser Astrid Radtke (@BD_in) in Bürodienste in:: „Momo“, von Michael Ende – Sie erinnern sich: Die […]

  4. Ein bisschen gilt auch bei der Bürotechnik der Spruch: „Love it, change it or leave it!“

    Ich sehe dauernd Leute, die mit der neuesten Technik und komplizierter Software kämpfen, weil sie sich 1. garnicht dafür interessieren und sich 2. nicht damit beschäftigen wollen. Ich habe beschlossen, dass ich manche Dinge NICHT brauche oder nicht sofort brauche. Dafür ist meine Büroausstattung solide, hochwertig, wenig störungsanfällig und relativ unkopliziert zu handhaben.

    Also: Wenn der Ärger über den langsamen PC, den dauernden Papierstau im Drucker oder andere Kleinigkeiten sich häuft: Ändern Sie’s einfach!

  5. […] Momo im Alltag – gegen den „gemeinen“ Zeitfresser […]

  6. […] Momo im Alltag – gegen den allgemeinen Zeitfresser […]

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„Qualität ist der stärkste Feind
jeder Art der Vermassung.
Quantitäten machen einander
den Raum streitig.
Qualitäten ergänzen einander.”

Dietrich Bonhoeffer

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