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Beratungswirrwarr – ungeschützte Berufsbezeichnungen

26. Juli 2012 verfasst von Astrid Radtke

Coach, Berater, Trainer, Mediator vielfach verwendet, sind dennoch keine geschützten Berufsbezeichnungen. Die Krux: auch ein selbsternannter Coach, Mediator oder Trainer bildet für diese Bereiche aus. Dabei lässt sich die Qualität der Ausbildung nicht am Preis festmachen.

Der gewählte Begriff selbst sagt wenig über eine fundierte Ausbildung aus. Manche Berufe sind neu, andere arbeiten nur mit neuen Begriffen. Allen ist gemeinsam, dass wohlklingende Berufsbezeichnungen letztendlich nichts über die Qualifikation der Anbieter aussagen.

Der Trainer

Trainer ist ein Begriff aus der Sportwelt. Heute wird nicht mehr gelehrt, heute wird nur noch trainiert. Doch bedeutet Trainer nichts anderes als Übungsleiter. Bevor jemand eine Übung leiten kann, muss er die Grundlagen für diese Übung legen. Manchmal kommt noch etwas zaghaft die Schulung dazu. Meistens werden daraus aber Seminare oder Workshops. Wer heute noch ehrlich Grundlagen am PC schult und in Übungseinheiten einteilt, bekommt selten die gewünschte Resonanz.

Der Begriff Trainer ist inzwischen zum Standard geworden. Eine Anwenderschulung am PC wird genauso von einem Trainer durchgeführt wie professionelle Kommunikation. Infolge wird das Angebot des Trainers zusätzlich mit dem des Coachs vermischt.

  • Aufgaben:
    Ein Trainer ist in erster Linie Übungsleiter. Ein Kommunikationstrainer übt bestimmte Kommunikationsverfahren für Konfliktlösung, Mitarbeitergespräche aber auch für Bewerbungen. Das gilt entsprechend für den Personal-Trainer, der Verhaltensmuster offenlegt und bei Bedarf Übungen zu Verhaltensänderungen anbietet.

 

Der Coach

Das Thema Coaching birgt viel Zündstoff insbesondere bei einer Reihe von selbsternannten Coaches. Statt Methodenkompetenz nachzuweisen, gibt es wenig Trennschärfe zu den Bereichen Training und Beratung. Im Fordergrund steht die Phantasie und deshalb coacht heute jeder jeden für alles, was auch Thomas Saller, Johannes Sattler, Lars Förster und in ihrem Buch „Beraten, trainieren, coachen“ bemängeln. Der Coach wird in eine Zusammenarbeit gepresst und Coaching wird damit zum Hype. Die Begrifflichkeiten sind damit restlos verwässert. Der Coach wird häufig als Verhaltenstrainer oder Karriereberater gesehen, der mit Hilfe von bestimmten Methoden und durch Übungen eine Verhaltensänderung herbeiführen kann. Genau das ist aber ein Coach nicht!

Wie der Trainer kommt der Begriff des Coachs aus dem Sport und meint zunächst ein Betreuen und Vermitteln von Fertigkeiten. Inzwischen steht „Coach“ für viele Leistungen rund um die persönliche Entwicklung. Dabei werden die Begriffe Trainer und Coach lustig vermischt. Sehen sich doch viele als Querdenker und Seiteneinsteiger, die ihre Lebenserfahrung mit anderen teilen möchten. Der Übertragung (Psychoanalyse) ist damit Tür und Tor geöffnet.

Systemisches Coaching, das ebenso angeboten wird, geht nicht ohne Fachausbildung und Studium in Humanwissenschaften. Gerade beim systemischen Coaching wird der tiefenpsychologische Bereich tangiert und sollte deshalb ausschließlich mit einer ausgebildeten Fachkraft erfolgen. Leider wird Systemisches Coaching mit esoterischem Halbwissen verwechselt und ist in diesem Zusammenhang kontraproduktiv.

Plattitüden wie „Souverän Frau sein“ oder „Unternehmer der Zukunft“ aber auch Angebote wie „Coaching mit Pferd“ sollten gründlich überprüft werden. Verbirgt sich dahinter doch eher ein Beratungs- bzw. Trainingsangebot.

Ebenso ist NLP kein Bestandteil der Psychologie, wenn auch gerne suggeriert wird. Es gibt NLP-Ausbildungen, die im Schnelldurchgang alle relevanten Stationen bis zum systemischen Coaching in etwas über 100 Stunden durchpauken, während renommierte Institutionen wie z. B. die Sonnenberg Klinik in Stuttgart mit ähnlichem Angebot bis zum systemischen Coaching 900 Stunden benötigen.

  • Aufgaben:
    Der Coach ist kein Motivations- oder Verhaltenstrainer. Er ist Zuhörer und „Spiegelhalter“. Er fördert das zu Tage, was bereits vorhanden ist. Dazu muss er respektvolle Distanz wahren, um eine Projektion (Übertragung eigener Erlebnisverarbeitung) zu vermeiden – etwas, was jedem Psychologen immer wieder in der Supervision vor Augen geführt wird. Coaching hilft den Blickwinkel zu ändern und eigenständige Lösungsstrategien zu entwickeln. Der Zeitraum des Coachings ist begrenzt. Der Coach ist lediglich über einen festgelegten Zeitraum ein Impulsgeber. Aufgrund seiner Erfahrung stellt er die richtigen Fragen, um konkrete Ziele auf den Weg zu bringen, aber keine Lösungen anzubieten.

Hierzu ein Beispiel für ein reines Coachingsgespräch der Forschungsstelle Coaching-Gutachten (FCG).

Der Berater

Zwei eher satirische Artikel im Netz weisen in einem Blog scherzhaft darauf hin, dass die Zahl der Berater die Beratenen übersteigen wird. So amüsant dies auch klingen mag, das Überangebot wirkt sich erheblich auf die Qualität aus, so dass Fehlgriffe nicht ausgeschlossen werden können.

Ein anderer Artikel macht auf die therapeutische Fortsetzung für „ausgediente“ Berater aufmerksam.

Lange Zeit war der „Consulter“ für Unternehmensberater die Hilfe, die jedes Unternehmen benötigte, wenn es etwas auf sich hielt. Für fast jeden Aufgabegabenbereich wurde ein Consulter hinzugezogen, selbst wenn es darum ging, eine neue Telefonanlage anzuschaffen. Mit dem „Berater“ hat der Begriff den Weg ins Deutsche zurückgefunden. Die Einschätzung der Leistung des Unternehmensberaters hat sich aber kaum gewandelt – negativ wie positiv. Der Consulter findet sich inzwischen als Spezialist in SEO-Consulter oder Bio-Consulter wieder.

Berater werden heute wie früher der Consulter für unterschiedliche Aufgabenbereiche eingesetzt. Dabei werden Berater und Coaches oft gemeinsam benannt und sorgen so beim potentiellen Kunden für Irritationen. Vom klassischen Verständnis müsste dies getrennt werden. Da es sich aber bei beiden um keine geschützten Berufsbezeichnungen handelt, werden sie oft gemeinsam gebraucht manchmal sogar identisch verstanden.

  • Aufgaben:
    Das fängt bei der Beratung im Einkauf an und endet mit der Beratung rund um den Unternehmensaufbau. Dabei bietet er konkrete Lösungsmöglichkeiten. Die klassischen Schritte wie Ist-, Soll- und Grobkonzept werden gemeinsam erarbeitet. Beratung umfasst persönliche Einkaufsberatung für angemessene Kleidung genauso wie Beratung zu allen möglichen organisatorischen Fragen wie Betriebs- oder Büroorganisation bis zum Personal sowie zu technischen Fragen.

 

Der Mediator

Etwas abweichend von Coach/Berater bzw. Trainer ist der Mediator. Auch dieser Beruf ist nicht geschützt und damit keine verbindliche Ausbildung. Möglicherweise ändert sich das mit dem neuen Mediationsgesetz in absehbarer Zeit.

Der Mediator wurde überwiegend bei Familienstreitigkeiten eingesetzt. Anwälte lassen sich entsprechend ausbilden. Immer häufiger wird der Wirtschaftsmediator von Firmen angefordert, um betriebsinterne Konflikte zu entschärfen oder allgemein Rechtsstreitigkeiten zu vermeiden. Die bekannteste Mediation war 2010 zweifellos die Schlichtung zu Stuttgart21.

Der Wirtschaftsmediator ist kein Zusatzangebot wie es auf mancher Website den Anschein erweckt, sondern unterliegt ebenso einer gründlichen Ausbildung.

Zur Mediation und insbesondere zur qualifizierten Ausbildung gibt es inzwischen einen Richtlinien im Verband. Die so ausgebildeten Mediatoren können in ihrem Verband gesucht werden.

  • Aufgaben:
    Der Mediator hat die Aufgabe mit zwei Parteien einverständliche Lösungen zu erarbeiten, so dass sich beide nach Vertragsabschluss als Gewinner fühlen. Er verhält sich neutral und stellt ähnlich wie der Coach entsprechende Fragen an beide, damit diese Lösungen selbst erarbeiten.

 
Ähnlich wie der Mediator arbeitet der Moderator als Vermittler bei Konflikten.

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Astrid Radtke

Über Astrid Radtke:

Astrid Radtke ist die Initiatorin von "Bürodienste in" Baden-Württemberg, Bayern und Rheinlandpfalz. Sinn des Projekts ist es qualifizierte Bürodienstleister zusammenzuführen und Unternehmen die regionale Suche zu erleichtern. Das Blog ergänzt mit Beiträgen die Kompetenz der Bürodienstleister und zeigt die Vielfalt der Leistungen auf.

8 Kommentare zu “Beratungswirrwarr – ungeschützte Berufsbezeichnungen”

  1. In diesem Beitrag wird ausführlich beschrieben, wie sie einen Coach finden und welche Fragen, er ihnen beantworten sollte bzw. was Sie überhaupt von einem Coach erwarten sollen.
    http://www.zeitblueten.com/news/guten-coach-finden/

  2. Was ich gerade gelesen habe, war ein sehr nützliches Artikel, endlich mal eine gute Erklärung der Begriffe! Wenn ich mich gut erinnern kann, war selbst einer meiner Professoren an der Universität mit den Begriffen verwirrt und im Endeffekt hat niemand den Unterschied zwischen Mediator und Moderator richtig verstanden. 🙂

    • Hallo Herr Riegelmayer,

      der Unterschied zwischen Mediation und Moderation ist schwierig zu erklären. Da ich beides kennengelernt habe, ist mir die Moderation lieber. Ich kann Ihnen dennoch den Unterschied nicht erklären. Meines Erachtens ist die Moderation etwas sachbezogener.

  3. Vor allem die neue Gesetzeslage lässt Mediatoren aus dem Boden schießen. Ausbildungsinstitute gibt es auch entsprechend viele. Stiftung Warentest hat Kriterien aufgestellt entsprechend den Verbänden und die Institute getestet.
    Auch der Hörbeitrag auf der Seite ist sehr aufschlussreich:
    http://www.test.de/Mediator-werden-145-Angebote-im-Vergleich-4492356-0/

  4. Finde ich ganz passend: Der Witz des Monats von freelance-market:

    http://www.freelance-market.de/nl/161/freiberuflerwitz_des_monats

    Beim Lesen musste ich schmunzeln und gleich an diesen Artikel denken…. Viel Spaß!

    • Astrid Radtke sagt:

      Der Witz zeigt vor allem, dass es viele Berufsbezeichnungen nur Worthülsen sind, denen der Bezug zur Praxis fehlt.

  5. Aus Kundensicht ist das Wichtigste das Ergebnis, das er mit der Beauftragung eines Beraters, Trainers oder Coaches erzielen will.

    Jeder gute Coach oder Berater wird sich Zeit für einen Erstkontakt, oft kostenfrei, nehmen. Kunden können sich, wenn sie sich auf diesen Termin vorbereiten, eine ganz gute Einschätzung der Qualifikationen, der Arbeitsweise und der Persönlichkeit erhalten.

    Auch viele Dienstleister bieten einen kostenlosen Ersttermin an um dem potenziellen Kunden diese Gelegenheit zu geben.

    Nicht ausgeschmückte Worthülsen oder fantasiereichte Berufsbezeichnungen – in welcher Sprache auch immer – sollten ausschlaggebend für die Auswahl sein, sondern der Nutzen, den der Kunde aus der Dienstleistung ziehen kann.

    Und, wie ganz richtig von Frau Röper in ihrem Beispiel festgestellt: Einfacher ist manchmal besser.

  6. Frau Radtke,

    ein sehr schöner Artikel!

    Er zeigt nicht nur, was hinter den Begriffen eigentlich steht bzw. stehen sollte, sonder auch, wie schwer wir Deutschen uns mittlerweile mit unserer eigenen Sprache tun, indem wir versuchen, alles auf Englisch auszudrücken!

    Aber, wie soll jemand, der im „Wissen vermittelnden“ Bereich arbeitet, es ausdrücken, damit der Kunde weiß, was gemeint ist?

    Ein Bespiel: Kunde hat Schwierigkeiten mit einer neuen Software und sucht Hilfe. Er liest folgende Formulierungen:

    1. Ich coache Sie bei Ihrer Arbeit am PC.
    2. Ich trainiere Ihre Mitarbeiter im Umgang mit dem XYZ-Programm.
    3. Ich berate Sie hinsichtlich der Handhabung mit dem neuen Programm XYZ

    Wovon fühlt sich der Kunde angesprochen? Kann er wirklich zwischen den Begriffen unterscheiden?! Oder würde er Nr. 5 favorisieren:

    5. Ich zeige Ihnen direkt am Arbeitsplatz, wie Sie mit den Neuerungen und Veränderungen des Programms arbeiten können.

    Ich finde, hier kommen wir immer mehr zurück zu den Wurzeln und freuen uns über einfache, klare, muttersprachliche(!) Äußerungen.
    …jetzt hätte ich fast „statements“ geschrieben 😉

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„Qualität ist der stärkste Feind
jeder Art der Vermassung.
Quantitäten machen einander
den Raum streitig.
Qualitäten ergänzen einander.”

Dietrich Bonhoeffer

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