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Muss Gewinn ausschließlich materiell sein?

4. September 2017 verfasst von Astrid Radtke

Kürzlich habe ich gelesen, dass Co-Working-Spaces keinen Gewinn für die Immobilienbranche brächten. Ich glaube, da hat jemand den Sinn von Co-Working-Spaces nicht richtig verstanden. Denn Co-Working-Spaces bedeutet nicht Großraumbüros, in dem jeder einen Schreibtisch mietet und der Vermieter vom Gewinn leben kann. Co-Working ist in erster Linie ein gemeinsames Arbeiten unter Berücksichtigung der individuellen Bedürfnisse unterschiedlicher Berufsfelder in einem sozialen Umfeld.
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Co-Working bereits ein Gewinn

Der Trend, dass Arbeitnehmer nicht täglich zum Arbeitsplatz pendeln müssen, nimmt mit der Digitalisierung zu. Hier setzt Co-Working vor allem im ländlichen Raum und in eher kleineren Städten an.

Gewinnträchtig, dass der Betreiber davon gut leben kann, ist Co-Working sicher nicht. Vor einiger Zeit las ich einen Artikel, in dem jemand Co-Working-Plätze als Franchise anbieten wollte. Franchise ist immer für Franchisgeber gut, um schnell hohe Gewinne zu machen. Nur eignet sich Franchise für ganz wenige Bereiche – Co-Working gehört da ganz bestimmt nicht dazu. Jeder Co-Working-Space ist individuell und unterliegt keinem starren Schema.

Co-Working – individuelle Arbeitsplätze in angenehmer Atmosphäre © Bürodienste-in

Co-Working – individuelle Arbeitsplätze in angenehmer Atmosphäre
© Bürodienste-in

Inzwischen ist die Immobilienbranche auf die Idee gekommen, große Räume mit etwas Infrastruktur sowie einzelnen Schreibtischen zu bestücken und zu vermieten. Dabei ist die Büroraumsituation vor Ort ausschlaggebend. Sie sieht in Großstädten ganz anders aus als im eher ländlichen Bereich oder Kleinstädten. Wenn sich zwei bis drei Leute ein Büro teilen, schnellen die Kosten hoch. Das muss erst mal erwirtschaftet werden.

200 Euro im Monat pro Tisch z. B. erscheinen lukrativ, da mindestens von 45 Tischen ausgegangen wird. Die Atmosphäre eines Großraumbüros mit all den damit gekoppelten Schwachpunkten schreckt viele ab. Werden viele Tische vermietet, führt ein häufiges Kommen und Gehen zu Unruhe. Die Möglichkeit die anderen Teilnehmer der Gruppe kennenzulernen nehmen proportional zur Gruppengröße ab. In beiden Fällen gilt:
Mit steigenden Raumausgaben, erhöht sich die Miete pro Tisch. Das macht die Miete für den einzelnen unattraktiv.
Der Abgesang auf Co-Working erfolgt prompt.

Gewinn ist jedoch nicht zwingend materiell und schon gar nicht bei Co-Working. Wer sich hier einen guten Verdienst ausrechnet, vielleicht auch, weil er jedem seine Dienstleistung glaubt verkaufen zu können, wird schnell Schiffbruch erleiden.
Dennoch gibt es für Anbieter sowie Teilnehmer „Gewinner“, weil jeder für sich „Gewinn“ anders definiert.

Beispiele, welche Art von Gewinn möglich sind:
  • Der Gewinn, persönliche Gespräche führen zu können – ein Aspekt heutzutage häufig unterschätzt wird. Eine Meinung, die kein Kalkül verbirgt, sondern einen Anstoß für eine andere Perspektive gibt.
    Mimik, Gestik, Körpersprache und Stimmlage kommen in der persönlichen Kommunikation zur Geltung. Solche Gespräch helfen wiederum, Gesprächspartner in anderen Situationen besser einschätzen zu können bzw. schulen das eigene Kommunikationsverhalten.
  • Der Gewinn Menschen zu treffen, die nicht nur über die Kollegen oder den Chef schimpfen, sondern ganz andere Gespräche führen, die zu einem Input für die eigene Arbeit führen oder einfach eine notwendige Ablenkung bringen.
  • Der Gewinn Informationen zu teilen oder zu erhalten, die sich und anderen, je nach Bedarf, in Alltag oder Beruf helfen.
  • Der Gewinn gerne seinen Arbeitsplatz aufzusuchen und dabei völlig frei zu sein in Zeiteinteilung und Anwesenheit.

 
Immaterieller Gewinn kann sich durchaus zu materiellem Gewinn entwickeln. Beim Co-Working gibt es für alle Teilnehmer unterschiedliche Möglichkeiten. Einer davon ist sicher Empfehlungsmarketing.

Home-Office – nicht nur für Selbstständige

Das Interesse für Co-Working steigt in absehbarer Zeit zwangsläufig.
Die Tendenz zu Hause zu arbeiten nimmt zu und verbreitet sich auch unter den Angestellten. Co-Working erreicht eine bestimmte Zielgruppe. Das sind vor allem die, die kein eigenes Büro haben wollen oder es sich keines leisten können, aber aus unterschiedlichen Gründen (nicht immer) zu Hause arbeiten wollen.

Wenn ich Co-Working nicht von der pekuniären Seite betrachte, dann ist es für jeden, der sich stunden- oder tageweise einen Schreibtisch mietet grundsätzlich ein Gewinn. Nicht jeder ist fähig allein zu Hause im Home-Office zu arbeiten. Oft sind Sie gar nicht allein und werden schnell mit dem Satz konfrontiert „Wenn du schon zu Hause bist …“. Dabei sind Sie gar nicht zu Hause, sondern nur körperlich anwesend, der Kopf ist bei der Arbeit.

Sicher können Sie bei Ihrem Arbeitszimmer die Tür zu machen und so Störungen zumindest reduzieren. Jedoch neigen vielen Menschen zur Selbstausbeutung und damit werden Sie zum Arbeitspensum zusätzlich noch Aufgaben im Haus und/oder bei der Kinderbetreuung übernehmen.

Auf der anderen Seite kommen einige Menschen nicht damit zurecht, mit niemandem mehr sprechen zu können, der Austausch mit den Kollegen fehlt, der geistige Input durch persönliche Gespräche muss auf die digitale Ebene verlagert werden.

Ich nenne es immer „laut denken“, wenn mir ein Gespräch eine Lösung bringt. Dazu ist aber die persönliche Anwesenheit des Gesprächspartners wichtig, denn ein laut ausgesprochener Gedanke bewirkt oft ganz andere Assoziationen.

In großen Teilen decken sich die Interessen der Teilnehmer und des Anbieters:
  • Sie müssen nicht allein arbeiten, können sich aber jederzeit in Ihr Home-Office zurückziehen.
  • Sie werden nicht durch Ihre Familie aus der Konzentration gerissen oder immer wieder mal in den häuslichen Alltag eingebunden.
  • Sie lernen neue Leute aus ganz unterschiedlichen Berufsfeldern kennen – vom Englischlehrer bis zum Handwerker, vom Angestellten bis zum Künstler.
  • Sie können Kontakte aufbauen und sich vernetzen.
  • Sie haben einen kurzen Weg zum Arbeitsplatz, denn das Pendeln zum Arbeitgeber – oft mit langen Staus und Wartezeiten verbunden, reduziert sich auf wenige Male.
  • Durch flexible Verträge sind die Kosten überschaubar und günstiger als sich eine Bürogemeinschaft zu teilen. Die Kosten für das Pendeln zum Arbeitsort entfallen und die sind bekanntlich höher als die Tankrechnung.

 
Manchmal läuft Co-Working ganz anders, als Sie es sich vielleicht vorgestellt haben. Der immaterielle Gewinn bleibt aus, weil die Gruppe zu heterogen oder aber auch zu homogen ist.

Ich denke, dass hängt viel von der Zielsetzung ab, die der Anbieter hat. Er hat zudem einen gewissen Einfluss auf die Zielgruppe. Die Persönlichkeit des Anbieters ist die Basis für ein funktionierendes Co-Working. Auch Sie sollten wissen, was Sie wollen und was Sie lieber vermeiden möchten. Deshalb sollten Sie für sich das Für und Wider festlegen und eine Probezeit vereinbaren.

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Astrid Radtke

Über Astrid Radtke:

Astrid Radtke ist die Initiatorin von "Bürodienste in" Baden-Württemberg, Bayern und Rheinlandpfalz. Sinn des Projekts ist es qualifizierte Bürodienstleister zusammenzuführen und Unternehmen die regionale Suche zu erleichtern. Das Blog ergänzt mit Beiträgen die Kompetenz der Bürodienstleister und zeigt die Vielfalt der Leistungen auf.

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