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Arbeitszeiten – Ist der Acht-Stunden-Tag überholt?

22. Mai 2017 verfasst von Astrid Radtke

Eine der wichtigsten Errungenschaften während der industriellen Revolution war die Einführung eines regelmäßigen Arbeitstages. Die Arbeitszeiten wurden seither im kürzer, die Ruhezeiten und Freizeit treten in den Vordergrund. Der Arbeitstag und Freizeit nehmen Rücksicht auf die eigenen Bedürfnisse sowie die der Familie und dem persönlichen Umfeld.

Rütteln an alten Arbeitszeitmodellen

Mit der Digitalisierung und der ständigen Erreichbarkeit gerät diese strikte Aufteilung ins Wanken. Flexibel auf den Bedarf einzugehen, heißt es. Doch wird zu oft eine Abrufbarkeit rund um die Uhr bis in den Urlaub. Smartphone und E-Mail ermöglichen eine ständigen Kontakt zwischen Mitarbeiter und Unternehmen. Die Arbeit lässt einen damit nicht mehr los. Das gilt für Selbstständige genauso wie für Angestellte. Hier kommen Unternehmen inzwischen wieder von dieser Praxis ab.

Der Acht-Stunden-Tag andererseits erweist sich als wenig effizient. Statt dessen erscheint eine Wochenarbeitszeit sinnvoll, die sich der Notwendigkeit anpasst. Das darf aber nicht bedeuten, dass mit der ständigen Erreichbarkeit der durchschnittliche Arbeitstag wieder länger wird und Wochenendarbeit keine Seltenheit mehr ist.

Entwicklung der Arbeitszeit

Als zu Beginn der industriellen Revolution der Arbeitstag noch weitestgehend an das Tageslicht gebunden war, schwankten die Arbeitszeiten im Sommer und Winter erheblich. Außer einer Arbeitszeit von zehn bis zwölf Stunden wurde auch samstags gearbeitet.

In den 50ger Jahren des letzten Jahrhunderts war die 48-Stunde-Woche normal. So wurde damals mindestens der halbe Samstag noch gearbeitet. Auch in den Schulen war samstags Unterricht. Erst zu Beginn in den 70ger wurde zunächst im Norden bis in die 80ger Jahre die Unterrichtszeit samstags in den alten Bundesländern nach und nach abgeschafft. Mit der Wiedervereinigung wurde 1990 der schulfreie Samstag für alle Bundesländer endgültig eingeführt.

Arbeitszeit und Schulzeit stehen in enger Verbindung. Ganztagsschulen ermöglichen den Eltern inzwischen berufstätig zu sein. Sie können sich ihren Arbeitstag flexibler einteilen, wenn sie ihre Kinder versorgt wissen.

Flexible Gestaltung der Arbeitszeit

Was für einen Selbstständigen selbstverständlich ist, können inzwischen auch viele Angestellte nutzen: Die Arbeitszeit der Notwendigkeit anpassen.

Die Arbeitszeit flexibel zu gestalten, hört sich gut an. Vor allem im Einzelhandel wurden Arbeitszeitkonten eingerichtet. So gibt es verschiedene Arbeitszeitkonten von der Monatsarbeitszeit bis zur Jahresarbeitszeit. Die Pläne werden im Team besprochen. In Stoßzeiten bei Sonderverkäufen oder im Oster- oder Weihnachtsgeschäft kann die Wochenarbeitszeit durchaus mal 7,5 bis acht Stunden übersteigen. Stunden, die in Zeiten mit weniger Arbeitsaufkommen angesammelt wurden. Das ermöglicht vor allem, dass in Fachgeschäften für den Kunden immer geschultes Personal bereit steht und auf nicht geschulte Aushilfskräfte zurückgegriffen werden muss.

Flexible Arbeitszeiten sehen bisher diese Möglichkeiten vor:
  • Über einen längeren Zeitraum zehn Stunden arbeiten. Diese Zeit muss innerhalb eines Jahres durch Freizeit ausgeglichen werden. Bei besonderen Vereinbarung kann diese Frist auch drei Jahre dauern.
  • Arbeit im Home-Office statt einer Präsenz im Büro. Was in den Niederlanden bereits ein Recht ist, wird hier eher abgelehnt und hinkt auch im gesamteuropäischen Vergleich hinterher.
  • Überstunden, die entsprechend vergütet werden. Die gesamte Arbeitszeit darf dennoch nicht mehr als zehn Stunden pro Tag umfassen.
  • Ein Zehn-Stunden-Tag ist in vielen Branchen wie am Bau oder in Verkehrsbetrieben aber auch in der Metallbranche möglich.

 
Berufsgruppen wie Polizei, Pflegepersonal, Notdienste oder das Hotel- und Gaststättengewerbe kennen diese Probleme, die sich aus unterschiedlichen Arbeitszeiten und Schichtdienst ergeben.

Der Acht-Stunden-Tag ist also schon längst aufgeweicht. Dazu kommt die ständige Erreichbarkeit über Handy oder E-Mail.

Manch Arbeitgeber scheint mit diesen Möglichkeiten noch nicht zufrieden zu sein und möchte den Acht-Stunden-Tag gänzlich abschaffen. Damit würden Überstundenzuschläge entfallen, denn auch ein Zehn-Stunden-Tag liegt im Bereich des Möglichen. Außerdem bedeutet das für Eltern trotz Ganztagsschule wieder eine schlechtere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Wochenendarbeit könnte die Folge sein. Das Aufweichen des Sonntags als arbeitsfreier Tag ist Gang und Gebe. Dass der Acht-Stunden-Tag abgeschafft werden soll, bei den vielen Möglichkeiten, die heute schon genutzt werden, macht mich skeptisch, solange nicht konkret alternative Konzepte ausgearbeitet sind.

Der Acht-Stunden-Tag hat eine „Ankerfunktion“ wird Bispinck bei der Süddeutschen Zeitung zitiert und fürchtet einen Dammbruch, bei denen den Arbeitnehmern letztendlich doch längere Arbeitszeiten drohen. Das wäre allerdihngs der Schritt in die falsche Richtung, denn schon acht Stunden

Biorhythmus

Der Mensch lebt im Rhythmus mit sich selbst und seiner Umwelt. Es ist erwiesen, dass Menschen nicht nur unterschiedliche Schlafenszeiten brauchen, sondern dass sie über den Tag verteilt, unterschiedlich leistungsfähig sind. Das bedeutet, dass es nicht drauf ankommt, wie lange jemand an seinem Arbeitsplatz ist, sondern in welchem Zeitraum er am effektivsten arbeitet. Weniger Stunden Arbeit bedeuten damit unterschiedliche Anfangs- und Endzeiten des Arbeitstages.
Ein Blick auf Europa zeigt, dass die Länder, die einen kürzeren Arbeitstag haben, eine höhere Produktivität erreichen, wie die Böcklerstiftung herausgefunden hat.

Die individuelle Arbeitszeiteinteilung bringt Firmen viele Vorteile, denn die Mitarbeiter sind nicht nur motivierter, sondern auch leistungsfähiger, wenn sie die Arbeitszeit ihrem Biorhythmus anpassen können.

Mit der Individualisierung der Arbeitszeiten können die Bedürfnisse der Arbeitgeber und deren Mitarbeiter auf einander abgestimmt werden. Der Mitarbeiter kann mehr Ruhephasen einlegen, aber er arbeitet produktiver, wenn er nur sechs Stunden arbeitet. Das erhöht zudem die Motivation und Leistungsfähigkeit.

In diesen sechs Stunden ist allerdings kein Platz mehr für Routinearbeiten. Jeder ist seine eigene Sekretärin, sein eigener Sekretär und stimmt Termine ab, kümmerst sich um E-Mails, führt Telefonate oder nimmt an uneffektiven Meetings teil. Aufgaben, die früher über ein gutes Sekretariat erledigt wurden. Kommt die Renaissance der Sekretärin? Im Moment sieht es so aus, als sollten solche Aufgaben Roboter übernehmen. Ein Roboter ist allerdings auch nur so gut wie der Mensch, der ihn programmiert.

Konzentration und Fehlerhäufung

Niemand kann stundenlang konzentriert arbeiten. Ein Schwatz mit dem Kollegen, eine Tasse Kaffee ermöglicht eine kurze Pause, schafft etwas Abstand und erhöht die Leistungsbereitschaft.

Acht Stunden Arbeit bedeutet nicht, dass acht Stunden konzentriert durchgearbeitet wird. Im Gegenteil! Als meine Kinder noch jünger waren, arbeitete ich sechs Stunden am Stück. Irgendwann wollte mein Chef, dass ich acht Stunden anwesend bin. Nach viereinhalb Stunden nahm ich eine längere Mittagspause und blieb abends bis 17:30. Mehr gearbeitet habe ich nicht. Nicht, weil ich nicht wollte, sondern weil ich nach der längeren Mittagspause aus dem „Tritt“ war.

Faulenzen – dem Gehirn kreative Ruhe gönnen

In starkem Gegensatz zum Arbeiten steht das Faulenzen. Selbst in der verbleibenden Freizeit wird die Zeit verplant. Einfach nichts tun, Löcher in die Luft starren, kein Handy oder keine Fernbedienung in der Hand – das haben wir uns weitestgehend abgewöhnt.
Wie schwer das ist zeigt der Autor in einem Selbstversuch: Anleitung zum Nichtstun

Nachts, das ist bekannt, arbeitet das Gehirn, auch wenn wir schlafen. Oft wache ich morgens mit der Lösung eines Problems auf. Das gleiche gilt auch, wenn wir tagsüber einmal nichts tun. Das Gehirn nutzt diese Ruhephase sich zu sortieren, wenn wir es ständig mit etwas beschäftigen, klappt das selten bis gar nicht.

Wer ständig in den Arbeitsprozess eingebunden ist, wird keine Ruhephasen mehr finden vor allem, wenn er noch Familie hat. Damit tun sich Arbeitgeber keinen Gefallen, denn die Kreativität in allen Arbeitsbereichen hilft dem Unternehmen. Statt dessen kommt es zu Ausfällen durch Krankheit, der Arbeitnehmer ist unmotiviert und tritt die innere Kündigung an. Flexibilität bei der Arbeitszeit ist keine Einbahnstraße. Flexibel heißt nicht, rund um die Uhr verfügbar zu sein, sondern seine Arbeitskraft konzentriert einzusetzen, wenn es geht nur für sechs Stunden.

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Astrid Radtke

Über Astrid Radtke:

Astrid Radtke ist die Initiatorin von "Bürodienste in" Baden-Württemberg, Bayern und Rheinlandpfalz. Sinn des Projekts ist es qualifizierte Bürodienstleister zusammenzuführen und Unternehmen die regionale Suche zu erleichtern. Das Blog ergänzt mit Beiträgen die Kompetenz der Bürodienstleister und zeigt die Vielfalt der Leistungen auf.

2 Kommentare zu “Arbeitszeiten – Ist der Acht-Stunden-Tag überholt?”

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