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Unwetterschäden – wie kleine Unternehmen sich schützen können

18. Juli 2016 verfasst von Astrid Radtke

Dieses Jahr hat es in sich. Verheerende Unwetter verteilt über ganz Deutschland in vielen Orten, ausgelöst durch Starkregen mit Gerölllawinen, Hagel oder Tornados mit zunehmender Stärke. Schon vor drei Jahren nach dem großen Hagelschaden im Kreis Reutlingen wurde vom Wetterdienst vorhergesagt, dass sich extreme Wettersituationen in den nächsten Jahren verstärken werden. Waren sie früher eher punktuell, scheint dieses Jahr keine Region nicht irgendwie betroffen zu sein. Neben den Schäden für Privatleute sind auch viele, vor allen Dingen kleine Unternehmen betroffen.

„Jahrhunderthochwasser“ – alle drei bis fünf Jahre

„Jahrhunderthochwasser“ kommen offenbar inzwischen alle drei bis fünf Jahre vor, Hagel mit Geschossen in Golfballgröße sind nicht nur im Süden der Republik die Begleiterscheinung von heißen Sommern.
Vor allem Starkregen führt zu Überschwemmungen und Schlammlawinen innerhalb weniger Minuten.

Zudem führen Abgänge von Gerölllawinen zu immensen Schäden an Gebäuden, Infrastruktur und Autos. Zwei große Tornados haben 2015 Schneisen in Wohngebiete von Friedberg und Büstrow geschlagen.

Schon heute nimmt Deutschland Platz zehn bei Tornados mit bis zu 60 Tornados ein.

Schäden, die durch Regen, Geröll, Hagel oder Tornados entstehen, werden begutachtet und können erst nach und nach ermittelt und vergütet werden. Vor allem kleine Unternehmen sollten deshalb grundsätzliche Überlegungen anstellen, wie sie sich vor Totalschäden sichern können.

Firmenunterlagen schützen

Für Unternehmen geht es darum Anlagen, Daten sowie betriebliche Unterlagen zu schützen. Wer meint mit der Cloud wenigstens die Daten in Sicherheit zu haben, wird nach den Enthüllungen zur Spionage diesen Gedanken teilweise wieder verwerfen.

Wie gerade Braunsbach deutlich zeigte, sind in wenigen Minuten ganze Ortsteile zerstört mit allen Existenzen. Neben den Maschinen geht mit Daten und Akten sowie Kundendaten auch das gesamte Know-how verloren. Aus diesem Grunde sollten auch kleinste Unternehmen dazu übergehen, besonders wichtige Daten in Kopien auszulagern, wobei natürlich an eine regelmäßige Aktualisierung gedacht werden sollte.

Machen wir uns nichts vor, viele Unterlagen in Firmen befinden sich noch auf Papier, auch wenn gerne vom papierlosen Büro gesprochen wird. Wichtige Vertragsunterlagen und andere wesentliche Dokumente sollte in Kopien an einen sicheren Ort gebracht werden wie z. B. ein Bankschließfach. Diese Bank sollte sich vielleicht nicht im gleichen Ortsteil wie das Unternehmen befinden, denn auch Bankgebäude können bei Unwetter zerstört werden.
 

Zerstörte Balkonblumen nach Hagelsturm am 28.07.2013

Zerstörte Balkonblumen nach Hagelsturm am 28.07.2013
© Bürodienste in


So schmerzlich zerstörte Blumen auf den ersten Blick scheinen, sind solche Schäden das geringste Problem. Die Natur erholt sich oft erstaunlich schnell.

Weitaus problematischer sind Schäden wie dieser

Hagelschaden an einem Dach

Schaden an einem Dach nach dem Hagelsturm vom 28.07.2013 in Reutlingen – Innenstadt
© Katja Schweiker – ks:mediendesign


Regen, der in kürzester Zeit nach dem Hagel durchs Dach eindringen kann und Schäden im Haus anrichtet.

Nicht nur eine Frage der richtigen Versicherung

Bei Schaden an IT-Systemen oder Büroeinrichtung dauert die Behebung wesentlich länger. Natürlich ist ein ausreichender Versicherungsschutz das A&O. Dass neben einer Gebäudeversicherung auch die Einrichtung der Büroräume durch die betriebliche Versicherung geschützt ist, ist für die meisten Unternehmer eine Selbstverständlichkeit. Kommt der gleiche Schaden zum wiederholten Mal vor, kann es inzwischen passieren, dass Versicherungen kündigen. Versicherungsschutz hat aber auch andere Tücken.

Standortfrage – auch im Haus

Gerade kleinere Unternehmen nutzen gern Kellerräume oder ein ausgebautes Souterrain für IT bzw. das Home-Office. Diese Räume sind besonders gefährdet bei Starkregen. Neben Hochwasser durch Flussübertretungen, kann Hangwasser oder hochdrückendes Grundwasser diese Räume besonders schnell überfluten. Damit werden die wichtigsten Betriebsunterlagen und Geräte vernichtet.

Andererseits kann ein ausgebautes Dachgeschoss durch Hagel oder Tornado ebenfalls Wasserschäden an Firmeneinrichtung- und unterlagen bewirken.

Heute kann kein Bewohner eines Ortes mehr sagen: „Bei uns kann nichts passieren.“ Kleinste Rinnsale,die im Sommer oftmals nicht mal Wasser führen, entwickeln bei Starkregen unvorstellbare Kräfte, verstopfte Ableitungen führen zu Rückstaus und kommt noch Schlamm dazu, sind nicht nur die unmittelbaren Anlieger dieser sonst harmlos plätschernden Bäche betroffen. Tornados sind inzwischen sogar in größeren Städten möglich.

Elementarschaden – bisher weitestgehend abgedeckt

Gegen Schäden wie die beschriebenen, den sogenannten Elementarschäden, sind Hausbesitzer im Allgemeinen versichert. Selbstverständlich scheint das allerdings nicht zu sein, denn nach dem großen Hagelsturm von 2013 sehe ich zum Teil immer noch „zerschossene“ Fassaden.

Bisher sahen Bewohner einiger Gegenden für ihre Gebäude keine Gefahr und deckten mit ihrer Gebäudeversicherung nur das Notwendigste mit einer Elementarversicherung ab. In Wikipedia werden die Schäden, die zu Elementarschäden zählen, aufgelistet. Was mir sofort auffiel: Starkregen gehört nur zum Teil dazu. Starkregen war jedoch das Phänomen, das diesen Frühsommer extrem viele Gebiete schwer in Mitleidenschaft gezogen hat. Anfang Juli war unser unmittelbarer Nachbarort betroffen – zum dritten Mal innerhalb weniger Jahre.

Bei der Möglichkeit, dass mit Jahrhunderthochwasser alle drei Jahre gerechnet werden muss, wie der Kommentar des Wochenblatts Reutlingen zu den jüngsten Überschwemmungen vor Ort meinte, ist es wichtig, sich zu allen Bereichen rund um die Gebäudeversicherung gründlich zu informieren. Wie in dem Artikel steht, ist allerdings in den nächsten 10 bis 15 Jahren nicht mit ausreichenden Hochwasserschutzmaßnahmen zu rechnen, so dass jeder so gut es geht, für sein Eigentum selbst sorgen muss.

Überprüfen Sie Ihre Verträge auf den Leistungsumfang. Bei meiner Recherche bin ich auf eine Seite zu Gebäudeversicherungen gestoßen, die sehr ausführlich alle Schadensbereiche zu Elementarschäden beschreibt. Dass es Unterversicherungen wie zum Beispiel eine Öltankversicherung gibt, war mir neu. Der Teufel scheint mir auch hier im Detail zu stecken. Wie schnell ein Öltank Leck schlägt, haben in den letzten Jahren viele Hochwassergeschädigte erfahren. Selbst wenn alle Unterlagen des Betriebs gesichert sind, kann eine nicht fehlender Leistungsschutz ein Unternehmen in den Ruin führen.

Schadensregulierung

Inzwischen werden Hochwassergefahrenkarten veröffentlicht. Neben den einzelnen Bundesländern gibt es diese Karten regional für besonders gefährdete Gebiete. Zunehmend reagieren auch Versicherungen immer zurückhaltender. Diese orientieren sich ebenfalls an diesen Hochwassergefahrenkarten.

Vielfach ist eine Versicherung für Gebäude in Hochwasser gefährdeten Gebieten gar nicht mehr oder nur zu besonderen Konditionen möglich. Versicherungen erwarten vom Versicherungsnehmer eine sorgfältige Planung bei Gebäuden und verpflichten den Versicherungsnehmer indirekt, dass das Gefahrenpotential so gering wie möglich gehalten wird.

Bebauung

Bei der Planung neuer Firmengebäude oder Erweiterungen sollte das Bauland auf mögliche Gefährdung durch Wetterkapriolen überprüft werden. Neubauten in Flussauen sind praktisch nicht mehr gestattet, aber auch sonst sollten Häuser eher auf Anhöhen stehen. Dabei sind Häuser an Hängen auch von Wasser bedroht, das sich in unkanalisierten Sturzbächen über Straße und Wiesen ergießen kann und Häuser unter Wasser setzt, obwohl in näherer Umgebung kein Bach fließt.

Genauso müssen mögliche Hangrutschungen beachtet werden. Diese kommen leicht in Quellgebieten vor oder an Hängen, die stark abgeholzt wurden. Hier sind natürlich inzwischen die Bebauungspläne der Gemeinden gefordert, die gegebenenfalls auf neues Bauland verzichten müssen, um den Rest des Ortes zu schützen. Nach dem Hochwasser in Baden-Württemberg 2013 musste eine Siedlung im Raum Tübingen an einem Hang evakuiert werden – Rückkehr selbst nach zwei Jahren für manche Eigentümer ungewiss. Für eine Firma wäre so eine Situation sicher das AUS.

Übrigens auch Banken interessieren sich für die Hochwasserkarten, um den Beleihwert eines Grundstücks berechnen zu können.

Verträge überprüfen

Während sich Hochwasser immerhin noch abschätzen lässt, sieht es bei Hagel ganz anders aus. Das gilt vor allem für Glasbruch. Bei Beschädigungen der Dachziegel kommt Wassereinbruch dazu. Vielfach ist Glasbruch in Verträgen ausgeschlossen und wird erst bemerkt, wenn der Schadensfall eintritt. Vor allem bei gemieteten Räumen muss abgeklärt werden, welche Schäden durch den Vermieter gedeckt sind. Wer in Mieträumen zusätzliche Veränderungen vornimmt z. B. Jalousien einbauen lässt, ist dabei manchmal vom Gebäudeschutz ausgeschlossen. Interessant war für mich, dass normale Jalousien bei dem Hagelschaden vom Juli 2013 wie Schweizer Käse aussahen, Fensterläden dagegen, unabhängig ob aus Aluminium oder Holz, kaum sichtbare Schäden davontrugen.

In meinem Umfeld haben Autobesitzer festgestellt, dass die Teilkasko z. B. bei einem Versicherungswechsel nicht aktualisiert wurde. Schlimmer noch Kleinunternehmer möchten sich diese Kosten gern sparen. Selbst eine Windschutzscheibe kostet mit Einbau mehrere hundert Euro. Bei einer kaputten Heckscheibe mit einer Heckscheibenheizung sind schnell weit über 1.000,00 Euro fällig. Ganz abgesehen davon, dass mit einem entsprechenden Versicherungsschutz noch andere Schäden am Auto gedeckt sind.

Nicht alles kann der Einzelunternehmer abdecken. Hat er sein Unternehmen nicht in einem eigenen Haus, muss er sich an den Vermieter wenden.

Rücksprache mit dem Vermieter bei angemieteten Büroräumen

Bei angemieteten Räumen sollten Sie unbedingt mit dem Vermieter Rücksprache halten, welcher Schutz gegen Unwetterschäden getroffen wurde. Die zugesagten Maßnahmen sollten auch belegbar sein. Das trifft vor allem für Gesellschaften zu, die Büroräume vermieten. Es kann durchaus auch Ausschlussklauseln geben, die bisher keine große Rolle spielten.

Ich weiß allerdings nicht, ob bei gewerblich genutztem Wohnraum z. B. durch ein Home-Office zusätzlicher Versicherungsschutz durch den Mieter als Unternehmer geleistet werden muss. Eine Absicherung sollte sich auf alle Fälle an realen Gefahren orientieren und ggf. muss ein Notfallplan erarbeitet werden.

Bei allen Versicherungsangeboten dürfte gerade nach einem Unwetter besondere Vorsicht geboten sein und das Kleingedruckte sollte gründlichst gelesen werden. In Hochwassergebieten, die mehrmals getroffen wurden, werden häufig gar keine Versicherungen mehr angeboten.

Mich würde interessieren, ob Versicherungen inzwischen in bestimmten Gebieten Verträge gekündigt haben oder ob die Beiträge nach der Schadensregulierung drastisch erhöht wurden.

Das ZDF zeigt im Rahmen von Terra X: Die Macht der Jahreszeiten – positive und negative Entwicklungen.

Dabei kann Wasser so schön sein.

Wasser als Quell des Lebens - Brühlbach / Bad Urach © Bürodienste-in

Wasser als Quell des Lebens – Brühlbach / Bad Urach
© Bürodienste-in


Wer gerne vorausschauen möchte, findet hier Unwetterwarnungen
Aktuelle Unwetterwarnungen für Deutschland

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Astrid Radtke

Über Astrid Radtke:

Astrid Radtke ist die Initiatorin von "Bürodienste in" Baden-Württemberg, Bayern und Rheinlandpfalz. Sinn des Projekts ist es qualifizierte Bürodienstleister zusammenzuführen und Unternehmen die regionale Suche zu erleichtern. Das Blog ergänzt mit Beiträgen die Kompetenz der Bürodienstleister und zeigt die Vielfalt der Leistungen auf.

4 Kommentare zu “Unwetterschäden – wie kleine Unternehmen sich schützen können”

  1. Susanne D. sagt:

    „Mich würde interessieren, ob Versicherungen inzwischen in bestimmten Gebieten Verträge gekündigt haben oder ob die Beiträge nach der Schadensregulierung drastisch erhöht wurden.“

    Es gab doch im Osten Deutschlands aus der Zeit der DDR Pflichtversicherungen die Elementarschäden abgedeckt haben…diese blieben nach Ende der DDR gültig und wurden nicht angepasst, waren also sehr günstig.
    Die Allianz hat (im letzten halben Jahr, wenn ich mich recht erinnere) diese Kunden mit einer Änderungskündigung übernommen… man war also gezwungen die höheren Prämien in Kauf zu nehmen oder sich um eine neue Versicherung zu kümmern. Also ja, das gab es…

  2. […] Unwetterschäden – wie kleine Unternehmen sich schützen können Astrid Radtke (@BD_in) in Bürodienste in:: Dieses Jahr hat es in sich. Verheerende Unwetter […]

  3. Wichtig ist, dass aus dem Hagelschaden kein Wasserschaden wird. Da kann es mit dem Versicherungsschutz eng werden, wie dieses Urteil zeigt
    http://www.kostenlose-urteile.de/OLG-Saarbruecken_5-W-4313_Durch-geschmolzenen-Hagel-entstandener-Wasserschaden-ist-kein-Hagelschaden.news18060.htm

    Natürlich ist auch eine ordnungsgemäße Sicherung des Eigentums bei Unwetter wichtig.

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„Qualität ist der stärkste Feind
jeder Art der Vermassung.
Quantitäten machen einander
den Raum streitig.
Qualitäten ergänzen einander.”

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