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Soziale Netzwerke – Zenit überschritten?

9. Juni 2016 verfasst von Astrid Radtke

Vor vier Jahren war ich schon der Überzeugung, dass die sozialen Netzwerke ihren Zenit überschritten hätten. Vorausgegangen war die Meldung, dass Burda Xing vollkommen übernimmt – davor hielten sie 25%. Wie bereits zuvor bei studiVZ und schülerVZ ging es wohl um die Verwertbarkeit der Userdaten.

Was bei Facebook, Google plus und Twitter offen kommuniziert wird: Soziale Netzwerke mögen für Nutzer sozial sein, für den Betreiber werden sie in erster Linie als Geldquelle verstanden und das gilt genauso für soziale Netzewerke wie Xing, LinkedIn etc.

Nun kommen zum ersten Mal rückläufige Zahlen zu den Sozialen Netzwerken.
Am wenigsten betroffen ist Facebook, am meisten Instagram. Während Instagram überwiegend mit Bildern arbeitet, wird in Facebook doch eher auf die klassische Variante des sozialen Netzwerkes gesetzt.

Das „Soziale“ an sozialen Netzwerken

In den sozialen Netzwerken steht der Austausch im Vordergrund. Menschen, die sich bisher nicht kannten, erhalten die Möglichkeit, sich über gemeinsame Interessen auszutauschen. Ein weiteres, sehr wichtiges Kriterium ist das Teilen von Informationen und bildet die Grundlage des sozialen Gedankens. Das Blog Zielbar fasst dies in seinem Artikel macht Teilen Spaß mit der alten Erkenntnis zusammen: „Geben ist seliger, denn Nehmen“.

Teilen im Sinne von Mitteilen kann ich alles, was der Information dient, aber auch der Entspannung und dem Humor. Lachen ist nicht nur gesund, es verbindet auch. So bekomme ich Links zu Zeitungen, Blogs oder Filmen. Wenn es mir gefällt, kann ich das wiederum unter meinen Kontakten verbreiten. Diese Informationen dienen als Diskussionsgrundlage oder vertiefen das eigene Wissen.

Kerngedanke ist: Geteiltes Wissen ist doppeltes Wissen und ein wesentlicher Beitrag zu unserer Informationsgesellschaft.

Und zur Entspannung gibt es viele Tierbilder, allen voran die inzwischen schon fast berüchtigten Katzenbilder 😉

Die Katze vom Dienst  © Bürodienste-in

Die Katze vom Dienst
© Bürodienste-in

Gemeinsame Aktionen können schneller verbreitet werden. Andererseits wird das Tempo dieser Verbreitung leider immer häufiger zum Nachteil, denn was durch die Medien in sog. „Echtzeit“ verbreitet wird, muss oft kurze Zeit später schon revidiert werden. Daraus ergeben sich für viele Beteiligte massive Nachteile. Oft folgen der ersten unrecherchierten Nachricht viele weitere Informationen, die dem wahren Hergang in keiner Weise gerecht werden.

Aktionismus in allen Netzwerken und in allen Bereichen

Durch Kontakte zu Menschen, die ähnliche Interessen haben, aber weit von einander entfernt wohnen, verbinden sich Menschen, um gemeinsam etwas zu bewegen und sich für ein persönliches Anliegen zu engagieren.

Dazu gibt es sehr unterschiedliche Möglichkeiten:
  • Petitionen als Mittel der gemeinschaftlichen Willensbekundung und zur Veränderung von negativen Zuständen.
  • Veranstaltungen von Musikfestivals bis zu gemeinsamen Film- und Fernsehabenden online.
  • Aktionen um Menschen oder Tieren in Not zu helfen, jemanden zu suchen oder gemeinsam ein Projekt zu gestalten.
  • Gruppen beitreten zu Orten, in denen man gelebt hat über Gruppen zu Hunderassen bis zu Gruppen mit philosophischem Austausch.

 
Vor allem Petitionen nehmen überhand und oftmals werden ähnliche Petitionen von unterschiedlichen Organisationen gestartet, was die Anzahl der Stimmen splittet. Ob diese Petitionen wirklich etwas bewegen, weiß ich nicht.

Wenn Petitionen jedoch europaübergreifend sind, haben sie durchaus einen Einfluss, wie die Petition zum Wasser 2014, die direkt an das Parlament der EU ging. Durch das Teilen von Petitionen in den sozialen Netzwerken wird eine große Anzahl von Menschen erreicht.

Völkerverständigung zeigen Aktionen wie gemeinsame Aktion israelischer und iranischer junger Erwachsener. Solche Aktionen zeigen, dass die Menschen überwiegend friedlich miteinander leben wollen, auch wenn sich deren Regierungen eher feindselig begegnen.

Durch die hohe Präsenz von Medien aller Art wird gerade Facebook von immer mehr Nutzern als Nachrichtenquelle genutzt. Vor allem ein Vergleich der Nachrichten in nicht gängigen Medien ergänzt die Informationen zur eigenen Meinungsbildung. Untersuchungen haben gezeigt, dass ca. 50% der Nutzer die sozialen Netzwerke als Nachrichtenquelle nutzen.

Neben der klaren Definition persönlicher Ziele wie Entspannung bei Spielen, belangloser Austausch von alltäglichen Geschehnissen zur Entspannung bis zur Verbreitung der Unternehmensidee spielt die Nutzerfreundlichkeit eine große Rolle.

Wer unkompliziert Informationen erhält bzw. teilen kann und dazu schnell mit seinen Kontakten in Verbindung tritt, wird die meiste Zeit in diesem Netzwerk verbringen.

Gewinne im Vordergrund

Gerne wird von Win-Win-Situationen gesprochen. Wenn aber der Nutzen eines sozialen Netzwerks nicht mehr den Erwartungen entspricht, wird das leider zu einer Einbahnstraße. Netzwertig schreibt von der Dynamik des sozialen Netzes. Dass bei den riesigen Serverkapazitäten und den ständigen Softwareanpassungen Einnahmen erzielt werden müssen, dürfte den meisten klar sein. Doch in dem Augenblick, wo große Gewinne erzielt werden sollen und die Betreiber an die Börse gehen, sind die echten Interessen der Teilnehmer dieser Netzwerke zweitrangig, im Fall Xing sogar marginal.

Xing

Xing hat sich von einem vielseitigen Geschäftsportal als openBC in Richtung Vertriebsportal entwickelt.
Mit dem Relaunch 2011 und der Beteiligung von Burda wurde das Alleinstellungsmerkmal des Austauschs innerhalb von Gruppen nur noch als Nebensache im Gesamtkonzept beibehalten. Stattdessen stand eine muntere Kontaktaufnahme im Vordergrund. Angeblich orientierte man sich hier an Facebook. Sich an der Zielgruppe zu orientieren, ist im Allgemeinen erfolgsversprechender als etwas nachzuahmen.

Hauptziel war offensichtlich Gewinne zu generieren, da Xing inzwischen ein börsennotiertes Unternehmen ist. Hier werden die Wünsche der Anleger bedient, wobei die Anliegen der Nutzer – auch der zahlenden – zunehmend unberücksichtigt bleiben.

Facebook

Facebook eilt ein denkbar schlechter Ruf voraus. Jeder fürchtet um ein unerlaubtes Abgreifen von persönlichen Daten ohne zu bedenken, dass eben dies genauso bei den anderen sozialen Netzwerken passiert. Wer Persönliches preisgibt und das womöglich noch öffentlich, kann bei einer Verbreitung nicht Facebook verantwortlich machen.

Es wird von Oberflächlichkeit erzählt und von Austausch irrelevanter Informationen. Für mich war das auch lange Zeit ein Kriterium, einen großen Bogen um Facebook zu machen.

Die Vorteile von Facebook sind im Moment noch, dass sich jeder kostenlos beteiligen kann und nicht auf Kontaktaufnahmen oder Sichtbarkeit von anderen Teilnehmern verzichten muss. Das Teilen von Informationen zu einem Unternehmen über die Unternehmensseite nervt nicht durch permanente Werbung.

Da Facebook inzwischen auch ein börsennotiertes Unternehmen ist, wird hier verstärkt auf Zusatzangebote gesetzt, die nur über einen Bezahlservice genutzt werden können.

Google+

Google+ ist erst Mitte 2011 neu dazugekommen. Viele nutzen die Möglichkeiten hier Informationen zu teilen und es hat sich eine begeisterte Fangemeinde gefunden, die nur noch auf Google+ schwört. Sie sehen Google als klare Abgrenzung zur sog. „Datenkrake“ Facebook. Voraussetzung für die Teilnahme an Google+ ist ein Google-Account. Wer also bei anderen Netzwerken befürchtet, dass dort persönliche Daten abgegriffen werden, sollte sich hier mal Gedanken dazu machen. Denn, um bei Google+ mitmachen zu können, benötigen Sie ein Google-Konto. Da können zwar eine Reihe von Features genutzt werden, aber genau das ist dann auch der Haken. Jede Bewegung im Internet wird damit registriert und kann bei Bedarf ausgewertet werden. Die Nutzerzahlen bei Google+ stagnieren und viele finden das Handling zu kompliziert.
Ansonsten unterscheidet sich Google+ in den Möglichkeiten des Austausches nur marginal von Facebook.

Vor- und Nachteile der sozialen Netzwerke

Welche Vorteile bzw. Nachteile ein jedes soziales Netzwerk bietet, ist bestimmt auch eine Grundlage seine Aktivitäten entsprechend zu kanalisieren.

Eine unkomplizierte Kontaktaufnahme, ein zwangloser Austausch und die Möglichkeit sein Tätigkeitsfeld bekannt zu machen, sind bestimmt die wichtigsten Vorteile. Dazu kommt, dass über Profile oder Unternehmensseiten Interessenten schnell auf Wesentliches zugreifen können. Persönliche Treffen von Gruppen oder für Geschäftsbeziehungen runden die positiven Aspekte ab.

Aber auch die Nachteile dürfen nicht unterschätzt werden. Neben der Unklarheit über die Verwendung persönlicher Daten durch den Betreiber, verliert der Nutzer teilweise die Rechte an geposteten Inhalten und Bildern.

Dazu kommen einige andere negative Begleiterscheinungen, die zunehmend Nutzer Abstand nehmen lassen:
  • Persönliche Angriffe in öffentlichen Diskussionen, in denen Kommentatoren ihren Hass und ihre Wut an völlig unbekannten Personen auslassen.
  • Die Sorge, zu viel von sich preiszugeben und damit Opfer von Kriminellen zu werden.
  • Unklarheit über die Verwendung der Daten.
  • Erstellung von Profilen durch den Betreiber aufgrund von Beiträgen und Klicks, um gezielt Werbung in der Timeline zu positionieren.
  • Falschinformationen, sogenannte „Fakes“, die Halbwahrheiten oder Lügen verbreiten und damit zur Diskreditierung von Menschen oder Personengruppen beitragen.
  • Zu hoher Zeitaufwand, vor allem wenn Sie in verschiedenen sozialen Netzen kommunizieren
  • Zunehmende Kriminalität durch Datenklau sowie
    das Einschleusen von Trojanern über Spam

 
Mit dem Misstrauen innerhalb der Politik besteht die Gefahr einer Zensur. Damit würden alle Vorteile des sozialen Gedankens zunichte gemacht. Nutzer müssen also zunehmend auf den verantwortlichen Umgang mit diesem Medium achten.

Blogs als Alternative

Für fachspezifischen Austausch bieten sich auch themenspezifischen Blogs an. Dort können Sie in den Kommentaren an Diskussionen zu dem betreffenden Artikel teilnehmen. Das schützt Sie allerdings nicht immer vor persönlichen Angriffen

Diese Blogs sind nicht an bestimmte Verkaufszahlen gebunden und Artikel können auch noch Jahren nachgelesen werden. Zudem hat jeder Zugang zu Blogs und muss nicht in irgendwelchen Netzwerken Kontakte haben. Wer sich über eine anregende Diskussion kennen lernt, kann auch über dieses Blog Kontakt zu anderen Kommentatoren aufnehmen.

Blogbetreiber sind gegenüber sozialen Netzwerken im Vorteil, weil sie die Rechte an ihren Beiträgen behalten. Andererseits ist der Meinungsaustausch zu Blogs wieder sehr gut durch die Netzwerke wie Facebook, Google+ oder Twitter gegeben, weil ein schneller Meinungsaustausch zum Thema möglich ist.

Dennoch scheint der Markt weitgehend gesättigt. Warum es einen Rückgang in der Nutzung gibt, hat bestimmt vielfältige Ursachen.

Insbesondere bei Instagram und Twitter sowie Snapshat hat der Zugriff abgenommen. Facebook verzeichnete mit 8% weltweit noch einen realaltiv geringen Rückgang, blieb in Deutschland sogar konstant und hat in Spanien etwas zugelegt. Instagram wurde im April noch als Liebling der Werbebranche gewertet – verständlich, basiert Instragram in erster Linie auf dem Teilen von Bildern ähnlich wie Pinterest.

Letztendlich gibt bei den sozialen Netzwerken das gleiche wie bei allen Medien: Nicht das Medium ist falsch oder gefährlich, sondern ein leichtfertiger Umgang damit. Seine Privatsphäre nicht zu sichern, alles zu teilen ohne die Quelle zu prüfen, seine schlechte Laune in Hasskommentare zu packen, ist kein Problem des Mediums, sondern der persönlichen Verantwortung. Und letztendlich bleibt die Frage, ob der Nutzer noch ausreichend Zeit offline verbringt. Einen „Führerschein“ für den sinnvollen Umgang mit dem Internet sollte nicht notwendig werden 🙂

Dass die Hochzeit der sozialen Netze überschritten ist, sehe ich nicht ganz so. Der Zuwachs wird bestimmt geringer, da das Potential wohl weitgehend ausgeschöpft ist. Dazu kommt, wozu der Anwender das Medium nutzen möchte. Möchte er bei den neuesten Nachrichten auf dem Laufenden bleiben, wird er es sich weiter entsprechend nutzen.

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Astrid Radtke

Über Astrid Radtke:

Astrid Radtke ist die Initiatorin von "Bürodienste in" Baden-Württemberg, Bayern und Rheinlandpfalz. Sinn des Projekts ist es qualifizierte Bürodienstleister zusammenzuführen und Unternehmen die regionale Suche zu erleichtern. Das Blog ergänzt mit Beiträgen die Kompetenz der Bürodienstleister und zeigt die Vielfalt der Leistungen auf.

4 Kommentare zu “Soziale Netzwerke – Zenit überschritten?”

  1. […] Soziale Netzwerke – Teil des Marketings […]

  2. […] Soziale Netzwerke – Zenit überschritten? Astrid Radtke (@BD_in) in Bürodienste in:: Vor vier Jahren war ich schon der Überzeugung, dass […]

  3. Ich habe hier einen ganz tollen und passenden Artikel gefunden: http://pr-blogger.de/2012/07/18/warum-das-corporate-blogging-besser-als-facebook-ist/

    Viele Grüße
    Katja Schweiker

    • Astrid Radtke sagt:

      Der Schwerpunkt liegt hier vor allem auf „Corporate Blogging“. Informationen rund um ein Thema können in einem Blog konzentriert dargestellt werden. Jeder, der sich für dieses Thema interessiert, kann sich darüber informieren ohne sich durch zig Foren klicken zu müssen.
      Mit Suchbegriffen ist die Information schnell auffindbar, ohne irgendeiner Community angehören zu müssen.

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„Qualität ist der stärkste Feind
jeder Art der Vermassung.
Quantitäten machen einander
den Raum streitig.
Qualitäten ergänzen einander.”

Dietrich Bonhoeffer

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