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Schreiben Sie noch mit der Hand?

21. Februar 2016 verfasst von Astrid Radtke

Computer, Tablet, Smartphone – alles kann heute schnell über die Tastatur verbreitet werden. Texterkennungsprogramm und Autokorrektur vereinfachen das Schreiben. Inzwischen gibt es schon Überlegungen, den Schulunterricht überwiegend mit Tablets zu gestalten und nur noch eine Elementarschrift zu lehren.

Entschleunigen

Klar, das Schreiben mit der Hand geht langsamer oder die Schrift wird unleserlich. Zudem muss ich mich mehr konzentrieren. Aber damit ist klar: beim Schreiben mit der Hand werden ganz andere Ansprüche an das Gehirn gestellt.
Zunächst fördert das Schreiben mit der Hand natürlich die Feinmotorik. Schon die Definition zu Feinmotorik zeigt, „Der Handgeschicklichkeit werden verschiedene Teilbereiche zugeordnet wie Hand- und Fingerkraft, Hand- und Fingergeschicklichkeit, visomotorische Koordination (Auge-Hand-Koordination), Zielgenauigkeit und exakte Einzelbewegungen eines Körperteiles.“ Quelle: © Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik

Handschrift und Hirnleistung

Ich merke mir immer etwas besonders gut, wenn ich es mir aufschreibe. Dazu gehören Notizen, was ich mir in den nächsten Tagen vornehme oder wenn ich Wochenpläne erstelle. Tippe ich sie, muss ich häufig nachsehen. Schreibe ich sie jedoch mit Hand auf, erledige ich diese Dinge oft ohne drüber nachzudenken und hake sie erst ab, wenn ich bei einem Blick auf meine Notizzettel feststelle, das das schon längst erledigt ist.

Mehr mit der Hand schreiben - das Gehirn trainieren © Bürodienste-in

Mehr mit der Hand schreiben – das Gehirn trainieren
© Bürodienste-in


Es ist wohl ähnlich wie beim Laufen. Auch hierbei werden Regionen des Gehirns angeregt, die die Denkleistung fördern. Nach einem Spaziergang ist also nicht nur das Gehirn mit Sauerstoff versorgt, sondern ich habe danach oft gute Einfälle für Artikel, die ich im Blog schreiben möchte.

Bewegung und Denkleistung sind eine Einheit und wirken unmittelbar auf das Gehirn.
Dass das Schreiben mit der Hand die Denkleistung und die Merkfähigkeit verbessern, dazu schreibt das Wissenschaftsmagazin Spektrum „Allgemein scheinen diejenigen, die aus eigenem Antrieb ausführliche Aufzeichnungen verfassen, besonders leicht zu lernen.“

Das Gehirn muss ständig im Training bleiben

Werden bestimmte Hirnregionen nicht mehr genutzt, verkümmern sie. Gehirnjogging wird im Grunde also immer dann betrieben, wenn die Extremitäten richtig genutzt werden.

Das häufige Sitzen am Computer oder mit dem Tablet verhindert zunehmend die Bewegung. Dazu kommt das Sitzen im Auto, im Bus oder in der Bahn. Wichtige Teile des Gehirns, die für Koordination zuständig sind, werden nur noch selten genutzt. Hirnforscher fürchten sogar ein Schrumpfen dieser Hirnregionen. Da gerade beim Gehirn alles mit allem zusammenhängt, ist im Moment noch nicht klar, inwieweit die Hirnleistung zusätzlich in anderen Bereichen in Mitleidenschaft gezogen werden kann.

Die Einsparung von Papier ist ein Argument der Verfechter, alles nur noch digital zu erfassen. Dabei wird der Wert der Schreibens mit der Hand auf dem Papier stark unterbewertet.

Das Magazin Hirn und Geist beweist in Untersuchungen bei Kindern eindeutig: „Im Ex­pe­ri­ment trai­nier­te ein Teil der Pro­ban­den die Buch­sta­ben hand­schrift­lich, die an­de­ren mit einer spe­zi­el­len Tas­ta­tur. Nach dem Trai­ning sowie meh­re­re Wo­chen spä­ter kon­trol­lier­ten die For­scher den Lern­er­folg. Und siehe da: Die Hand­schrei­ber hat­ten die Nase ein­deu­tig vorn.“

Das Schreiben mit der Hand fördert also individuelle Bewegungsabläufe. Dabei werden drei Gehirnregionen aktiviert, die unter anderem dafür zuständig sind, dass wir uns Handlungsabläufe vorstellen können. Die genaue Erklärung zum Experiment finden Sie im angegebenen Link oben.

Schreiben auf Tablets und Tastatur mit Korrekturfunktion und Autokorrektur

Wenn ich mich so für Schreiben auf Papier einsetze, werde ich natürlich als erstes mit dem Umweltaspekt konfrontiert. Das ist natürlich nicht ganz unberechtigt, aber für Notizen reicht Papier, das bereits beschrieben ist. Aus DIN A 4 Blättern mache ich mir vier DIN A 6 Notizzettel, die meist für Gedanken oder einzelne Aufgaben ausreichen.

Inzwischen gibt es Stifte, mit denen ich auf einem Tablet schreiben könnte. Das hat den Vorteil, dass meine Notizen raumsparend gespeichert sind. Für mich entfiele allerdings das genussvolle Zerreißen des Zettels, wenn ich eine Aufgabe erledigt hätte.

Wenn ich diese Stifte benutze, fehlt mir zudem die Möglichkeit das Geschriebene als meine eigene Schrift zu erkennen. Ganz deutlich ist das bei den Paketen, deren Empfang ich mit einem Stift digital unterschreiben muss. Auch wenn die Fläche größer ist, habe ich nicht die Möglichkeit, meine individuelle Schreibbewegung durchzuführen. Ich tue mich schwer, den richtigen Druckpunkt zu finden, denn auf Papier schreibt es sich anders als auf einer völlig glatten Fläche.

Natürlich ist die Tastatur eine wunderbare Einrichtung, insbesondere die Löschfunktion und viel denken muss ich auch nicht, wird eh alles unterkringelt, was falsch ist oder gleich richtig weitergeschrieben. Dabei kennt die Korrekturfunktion so gut wie keine zusammengeschriebenen Wörter und die Autokorrektur beim i-Phone sorgt im günstigen Fall für ordentliche Lacher, im schlechten Fall für ein ärgerliches Missverständnis.

Handschrift – die individuelle Note

In letzter Zeit gab es die Tendenz, die Schrift für die Schulanfänger zu vereinfachen. Dabei konnte ich bei Schreibanfängern beobachten, mit welcher Hingabe sie Girlanden mit „lll“ schreiben. Die sogenannte Ausgangsschrift ist eine Mischung aus Schreibschrift und Druckschrift.

Dass eine Schrift, die die Feinmotorik fördert, den Eltern wichtig ist, zeigt eine Initiative von Elternverbänden und Bildungsforschern, die wieder von der vereinfachten Ausgangsschrift weg möchte.

„Die Schrift eines Menschen gehört zu ihm wie seine Stimme oder sein Fingerabdruck.“ Sie ist damit eben auch der ganz individuelle Ausdruck seiner Persönlichkeit. In dem Bericht wird erklärt, dass die Schreibschrift die Entwicklung und Spracherkennung beim Kind fördert.

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