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Selbstoptimierung – schneller, höher, weiter! Muss das sein?

10. August 2015 verfasst von Astrid Radtke

Der Mensch schafft gern Neues und verändert sich. Dabei hilft ihm sein eigener Antrieb. Um mehr zu erreichen, entwickelt er Maschinen und in letzter Zeit immer mehr Software bzw. Apps. Das erleichtert das Leben und schafft neue Spielräume. Aber statt die Spielräume für sich zu nutzen, stopft er sie zu gern voll mit weiteren Aktivitäten im täglichen Hamsterrad des „Schneller – Höher – Weiter“ mit nachhaltigen Folgen für seine Gesundheit und sein persönliches Umfeld.

Achtsamkeit – auch eine Möglichkeit sich zu „optimieren“

Selbstwahrnehmung hat in dem Fall weniger mit Optik zu tun, sondern mit Dingen, die wir tun. Die meisten Dinge erledigen wir inzwischen automatisch, sie werden zur Routine, so dass wir gedanklich schon oft einen Schritt weiter sind.

Was witzig gemeint ist, zeigt ganz deutlich, wir sind nicht alle dement, sondern unkonzentriert, weil uns zu viele Dinge durch den Kopf gehen. Wenn ich in die Küche gehe, um mir einen Tee zu machen, denke ich auf dem Weg nicht an den Tee, sondern beschäftige mich mit dem, was ich noch erledigen muss. Wenn ich dann in der Küche stehe, fällt mir nicht mehr ein, was ich in der Küche wollte. Am Arbeitsplatz ich erinnere mich dann wieder ein: „Ach Tee, wolltest du dir doch machen“.

Dafür gibt es eine erstaunliche Erklärung. Es gibt eine sogenannte „Ereignisgrenze“ gibt, wenn wir durch eine Tür gehen. Wer durch eine Tür geht, vergisst eher, was er machen wollte, als jemand, der in einem Raum etwas erledigen möchte.

Dennoch glaube ich, dass das nur ein Teil des Grundes der wohl häufigsten Frage ist: „Was wollte ich denn gerade“ oder wie eine Bekannte ergänzte: „Warum bin ich jetzt hier“. Der Kopf ist voller Gedanken, Tee zu holen ist Nebensache und hat mit der Arbeit nichts zu tun, der Weg scheint „verlorene Zeit“ zu sein.

Immer mehr wird über „Achtsamkeit“ gesprochen, das heißt, sich selbst bewusster wahrnehmen. Das bedeutet, wenn ich Tee hole, denke ich ausschließlich an den Tee und freue mich über die damit verbundene Bewegung.

Die „Vergesslichkeit“ hängt ferner mit dem „Multitasking“ zusammen. Mein Vater sagte immer: „Man kann nur eins tun“ und aus heutiger Sicht muss ich ihm vollkommen recht geben. Wenn ich an einer Sache dran bleibe, werde ich schneller fertig. Wenn ich mehrere Aufgaben nebeneinander erledige, benötige ich nicht nur mehr Zeit, sondern es schleichen sich auch Fehler ein.

Selbstoptimierung: der kleine Diktator in mir

Der größte Kritiker bin ich wohl selbst und ich weiß, dass es auch vielen anderen so geht. Ich finde, dass ich manches besser oder anders machen könnte.

„Wir leben in einer Gesellschaft, die nur Sieger sehen will“ beklagt der Medizinethiker Giovanni Maio in einem Interview in der Neuen Züricher Zeitung (NZZ).

Das geht hin bis zur Selbstvermessung. Immer mehr Menschen lassen ihre Tätigkeiten überwachen. Eine Gesundheitskasse kam jetzt sogar auf die Idee, den Kauf einer Apple-Watch zu finanzieren, da damit alle Daten zum Lebensstil erfasst werden können. Wir trauen uns die Selbstüberwachung nicht mehr zu.

Wir lassen überwachen:
  • unsere Gesundheit
  • unsere Ernährung
  • unsere Freizeitaktivitäten

 
Das heißt, dass wir damit ein Stück Verantwortung über unser Leben abgeben.

Achtsamkeit hat nicht nur mit unserer Lebensführung, sondern auch mit unserem Denken zu tun. Negative Gedanken beeinflussen unsere Handlungen, führen zu Ängsten und damit zu Stress. Hier die Balance zu finden, aktuelle Nachrichten nicht aus dem Blick zu verlieren und uns schönen Dingen zu widmen gewissermaßen als Seelenmassage muss jeder für sich rausfinden.
Natur und Farben ggf. ein Lächeln helfen neben der Bewegung auf alle Fälle für einen seelischen Ausgleich.

Farben - Formen - Natur: Seelenmassage © Bürordienste-in

Farben – Formen – Natur: Seelenmassage
© Bürordienste-in

Natürlich gibt es viele Bereiche, die sich lohnen, dass ich dran bleibe z. B.
  • Schnelligkeit in meinen Tätigkeiten
  • Strukturen im Tages- und Arbeitsablauf inkl. Freizeitaktivtäten und
    sozialen Kontakten offline(!)
  • Konsequenz im Handeln – auch in der Gestaltung von Erholungsphasen

 
Sich kontinuierlich zu verbessern, ist natürlich kein Fehler. Nur sollte das im persönlichen Rahmen in selbst gesteckten individuellen Zielen erfolgen.

Immer häufiger üben wir jedoch Selbstkritik, nicht nur dass das Erscheinungsbild der gesellschaftlichen Erwartungen nicht mehr gerecht werden könnte, auch Arbeitsbewältigung, Leistung und Verbesserung durch Weiterbildung sind ein stetiger Antrieb. Am Ende stehen psychische und physische Konflikte bis zu Zusammenbrüchen.

Schlimmer diese Angst dem Leistungsanspruch der Gesellschaft nicht mehr gerecht zu werden, nicht mehr anerkannt zu werden, nimmt heute im Alter noch zu. Die Altersweisheit führt nicht zur Ruhe, sondern mündet in ein ständiges Beweisen, dass man im Alter auch noch „mithalten“ kann.

Wer sich früh verbraucht, wird im Alter genau damit konfrontiert, wovor er am meisten Angst hat:
Er ist kraftlos.

Viele Unternehmer wissen inzwischen, dass ein ausgepowerter Arbeitnehmer die Quelle für Fehler ist, Fehler, die auch dem Unternehmen Schaden zufügen können. Unternehmen setzen deshalb immer mehr auf Kooperation und echte Teamfähigkeit.

„Cultural fit“ – Übereinstimmung in Werten und Verhaltensmustern

Die gegenläufige Bewegung zu immer mehr Fachwissen und Leistung legt Wert auf soziale Kompetenz als Teil einer Kooperationskultur. Offenheit, Kommunikation, aber auch die Fähigkeit zu delegieren stehen im Vordergrund. Zu viele glauben immer noch, wer Arbeit abgibt, zeigt Schwäche, weil er nicht alles selbst bewältigen kann. Aber das Gegenteil ist der Fall. Wer Arbeit abgibt, zeigt Vertrauen in die Leistungsfähigkeit seiner Kollegen und kann sich zielgerichtet seinen Kernaufgaben widmen.

Das sind Fähigkeiten, die vor allem in der Teamarbeit gefordert sind, nämlich eine gemeinsame Zielsetzung in gemeinsamer Verantwortung. Dabei kann ein Querdenker durchaus für wichtige Aspekte in einem Team sorgen. Übereinstimmung in Werten und Verhaltensmuster kann für einen Selbstoptimierer durchaus zur Überangepasstheit führen, was ihm mehr schadet als nutzt. Hier kann ein sozial engagiertes Team korrigierend wirken.

Spielräume nutzen – dem Hamsterrad entkommen

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Spielraum ist ein wunderbares Wort in der deutschen Sprache. Übertragen ist die Zeit gemeint, die uns die Möglichkeit gibt, uns mit uns selbst zu beschäftigen. Faulenzen schrieb die Zeit letzte Woche sollte wieder auf dem Programm stehen.

Wir sollten wieder dahin zurückfinden, dass wir arbeiten um zu leben und nicht arbeiten um zu leben, wie die Geschichte von einem Fischer in diesem Zeitartikel „Faulheit – Sagen Sie alle Termine ab“ aufzeigt.

Wer Zeit hat, kann zum diesem Thema das Interview mit Nico Paech im Bayrischen Rundfunks nachlesen: Das Leiden unter wachsender Arbeitsverdichtung. Durch die Technisierung der Arbeitswelt ist der Einzelne immer mehr in der Situation, Tätigkeiten, die früher verschiedene Personen ausgeführt haben, allein zu erledigen. Das erfordert das Eindenken in verschiedene Arbeitsprozesse, die oft mit dem eigentlichen Sachgebiet nur am Rande zu tun haben. Eine Überforderung mit zu vielen Aufgaben.

Ich fürchte allerdings, dass wir auf die Entschleunigung innerhalb der Unternehmen noch etwas warten müssen. Deshalb sollte jeder Einzelne Achtsamkeit üben und sein (Arbeits-)Leben aber vor allem seine Freizeit bewusster wahrnehmen.

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Astrid Radtke

Über Astrid Radtke:

Astrid Radtke ist die Initiatorin von "Bürodienste in" Baden-Württemberg, Bayern und Rheinlandpfalz. Sinn des Projekts ist es qualifizierte Bürodienstleister zusammenzuführen und Unternehmen die regionale Suche zu erleichtern. Das Blog ergänzt mit Beiträgen die Kompetenz der Bürodienstleister und zeigt die Vielfalt der Leistungen auf.

3 Kommentare zu “Selbstoptimierung – schneller, höher, weiter! Muss das sein?”

  1. […] Selbstoptimierung: Weiter – höher – schneller, muss das sein? […]

  2. […] Selbstoptimierung – schneller, höher, weiter! Muss das sein? Astrid Radtke (@BD_in) in Bürodienste in:: Der Mensch schafft gern Neues und verändert sich. […]

    • Was für ein schöner Artikel!
      In meinen Seminaren lerne ich immer wieder Sekretärinnen und Assistentinnen kennen, die sich schier zerreißen, um es allen anderen Recht zu machen. Nur sie selbst bleiben mit ihrem „Mutter-der-Nation-ich-helfe-allen“-Syndrom total auf der Strecke. Doch wehe, sie denken mal nur an sich, was passiert dann?! Die Antworten reichen von „Dann bin ich meinen Job los“ bis hin zu „Ich kann aber nicht anders, ich bin einfach so nett und hilfreich.“

      Es bleibt dabei: „Jeder ist seines Glückes Schmied.“ Wer sein (berufliches) Leben nicht – losgelöst von dem, was andere beruflich von einem erwarten – selbst so gestaltet, dass er nicht daran kaputt geht, der wird über kurz oder lang nicht glücklich!

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„Qualität ist der stärkste Feind
jeder Art der Vermassung.
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