Das Blog rund um Büro und Büroservice

Bürodienstleister schreiben für Bürodienstleister und Unternehmen


Rund um die Uhr verfügbar – muss das sein?

30. Mai 2015 verfasst von Astrid Radtke

Sie haben es vielleicht auch schon beobachtet, dieses Zucken bei Ihrem gegenüber und meist der schnelle Griff in die Tasche. Das Handy hat vibriert und es ist zum Reflex geworden, unmittelbar zu reagieren. Immer wieder befassen sich Studien mit der ständigen Erreichbarkeit in Beruf und Freizeit. Dabei zeigt sich, dass permanente Verfügbarkeit mit dem Anspruch des „Immer-alles-sofort-gleichzeitig“ zu einer starken Beeinträchtigung des Leistungsvermögens führt bis zu gesundheitlichen Schäden. Das berühmte „Multi-Tasking“ erweist sich eher als Hemmnis für einen konzentrierten, kontinuierlichen und vor allem effektiven Arbeitsablauf.

Der Terror des „Jetzt – sofort“

Der Büroalltag fordert: Eine Mail, die schnell beantwortet werden soll, ein Anruf, ein schnell einberufenes Meeting, ein fragender Kollege – dies alles unterbricht die aktuelle Tätigkeit, reißt aus den Gedanken und ist nichts anderes als ein „unterbrochener Handlungsbogen“

Der größte Stressfaktor für junge Mütter sind unterbrochene Handlungsbögen, das heißt, dass sie irgendeine Tätigkeit begonnen haben, sie aber nicht oder nicht sofort beenden können, weil ihre kleinen Kinder ihre Ansprüche anmelden und zwar sofort (!). Während Mütter schon bald lernen, sich vor „unterbrochenen Handlungsbögen“ durch konsequentes Verhalten zu schützen und ihre Tätigkeiten anders zu organisieren, ist dies im Berufsalltag ein „Tabu“-Thema. Ständige Verfügbarkeit wird bei einer guten Dienstleistung als selbstverständlich vorausgesetzt. Ein Mitarbeiter, der vorankommen möchte, versucht durch die ständige Erreichbarkeit im Büro und zu Hause Zuverlässigkeit und Flexibilität zu signalisieren. Dass dies auf Dauer Auswirkungen auf die Gesundheit hat, ist sicher nicht verwunderlich.

Die durchschnittliche Dauer sich mit einer Aufgabe zu beschäftigen zu können, sind heute elf Minuten, dann wird die Aufmerksamkeit durch Telefon, Mail (das möglichst umgehend beantwortet werden soll) oder einen Kollegen, der dringend eine Auskunft benötigt, unterbrochen. Diese Unterbrechung kann bis zu 25 (!) Minuten dauern. Findet man nun nach acht Minuten wieder zur notwendigen Konzentration zurück, wird man nach jetzt drei Minuten (8+3=11) wieder für 25 Minuten durch eine andere Aufgabe in Anspruch genommen.

Die „Reißleine“ ziehen

Viele glauben sie seien davon nicht betroffen, doch eine Überprüfung Ihrer Aktivitäten wird Ihnen möglicherweise zeigen, dass sich auch Ihr Kommunikationsverhalten in den letzten Jahren gewandelt hat.

Wir sind im Kommunikationszeitalter angelangt, wo wir sieben Tage die Woche, 24 Stunden am Tag (wer hat noch nicht „schnell“ sonntags oder zu später Stunde eine Mail beantwortet?) erreichbar sind. Das gilt nicht nur beruflich, sondern auch privat.

Beantworten Sie sich folgende Fragen:
  • Ist Ihr Handy ständig auf „Bereitschaft“?
  • Wie oft schreiben Sie noch schnell eine berufliche SMS, auch wenn Sie Ihren Arbeitsplatz schon längst verlassen haben?
  • Lassen Sie das Telefon/Handy auch mal klingeln bzw. stellen Sie es auf „stumm“?
  • Wenn Sie eine Email erhalten, wie lange warten Sie mit der Beantwortung?
  • Wie oft rufen Sie Ihre Emails im Urlaub ab?
  • Sagen Sie einem fragenden Kollegen, dass Sie auf ihn zukommen, wenn Sie mit Ihrer aktuellen Aufgabe fertig sind?
  • Delegieren Sie wirklich alle Aufgaben, die Sie nicht unbedingt selbst machen müssen?
  • Zu welchem Zeitpunkt machen Sie Ihren PC aus und legen das Handy weg?
  • Wie oft nehmen Sie Ihren Arbeitsplatz Büro mit nach Hause und arbeiten im „Home-Office“

 
Kreative Pausen – Fehlanzeige, der Laptop wird in den Urlaub mitgenommen, die Mails können fast überall abgerufen werden und das Handy/Tablett ist sowieso bei vielen schon angewachsen. Erreichbarkeit wird zudem leider viel zu oft mit „Wichtigkeit“ verwechselt. Meist ist es ein „Ausnutzen“ bzw. „Selbstausbeutung“.

Pausen sind nicht nur für Erholung und Gesundheit zwingend notwendig, sondern sind die Grundvoraussetzung, um der Kreativität wieder Raum zu geben. Der notwendige Abstand zu Ihrer Arbeit verhilft Ihnen Ihre Aufgaben wieder konzentrierter und damit schneller zu erledigen.

Mit all den uns zur Verfügung stehenden (technischen) Möglichkeiten müsste die Trennung von Arbeit, Kommunikation und Freizeit doch möglich sein – im Interesse einer effektiven Arbeit und unserer eigenen Gesundheit.

Eine sinnvolle Büroorganisation ist ein weiterer Schritt, die Arbeit so zu gestalten, dass Raum für Kreativität, Entspannung und effektiver Arbeit wieder möglich ist.
Siehe auch hier: Fluch des Fortschritts: Ständige Erreichbarkeit im Job

Das könnte Sie auch interessieren

 

 

Tags: , , , , , ,

Astrid Radtke

Über Astrid Radtke:

Astrid Radtke ist die Initiatorin von "Bürodienste in" Baden-Württemberg, Bayern und Rheinlandpfalz. Sinn des Projekts ist es qualifizierte Bürodienstleister zusammenzuführen und Unternehmen die regionale Suche zu erleichtern. Das Blog ergänzt mit Beiträgen die Kompetenz der Bürodienstleister und zeigt die Vielfalt der Leistungen auf.

5 Kommentare zu “Rund um die Uhr verfügbar – muss das sein?”

  1. Astrid Radtke sagt:

    In seinem Buch „Leben im Büro“ unterscheidet der Autor offenbar zwischen Büro, dem Platz, wo ich arbeite und Office, das Büro, das ich ständig verfügbar bei mir habe.
    Für die Verfügbarkeit rund um die Uhr mag das ideal sein, der Mensch scheint mir dabei jedoch auf der Strecke zu bleiben. Hier das Interview zum Buch:
    http://officeabc.blogstrasse.de/wp-content/2012/12/bartmann.pdf

  2. […] Rund um die Uhr verfügbar – muss das sein? Astrid Radtke (@BD_in) in Bürodienste in:: Sie haben es vielleicht auch schon beobachtet, dieses […]

  3. […] Rund um die Uhr verfügbar – muss das sein? […]

Schreibe einen Kommentar


„Qualität ist der stärkste Feind
jeder Art der Vermassung.
Quantitäten machen einander
den Raum streitig.
Qualitäten ergänzen einander.”

Dietrich Bonhoeffer

Neueste Beiträge

Aktuelle Umfrage

Sind Newsletter noch aktuell? - Zwei Antworten möglich

View Results

Loading ... Loading ...

Nachrichten zum Home-Office

Spiegel Online - Karriere
Ein gebrochenes Bein im Home-Office ist kein Arbeitsunfall

Passwörtern nicht ständig ändern

Seit der Dampfmaschine haben neue Technologien Arbeitsplätze vernichtet und neue sind entstanden

Begrüßung wird in vielen Kulturen unterschiedliche gehandhabt. Der Handschlag ist nicht die Norm.


 
follow us in feedly
 

Anzeige

Hier kann Ihre Anzeige stehen zu
  • Büromaterial
  • Büromöbel
  • Software
  • Seminaren / Workshops
  • u. v. m.

Anzeige

Unwetterwarnungen

Aktuelle Unwetterwarnungen für Deutschland
Bürodienstleister in Bayern Bürodienstleister in Baden-Württemberg Bürodienstleister in Rheinland-Pfalz
Share with your friends









Submit