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Ich werde verfolgt! Facebook hat seine AGB verändert.

4. Februar 2015 verfasst von Astrid Radtke

Facebook hat bekannt gegeben, dass es seine AGB am 3.01.2015 geändert. Einige veranlasst das, Facebook zu verlassen, selbst wenn sie eine Unternehmensseite führen. Es gibt kaum eine Tageszeitung, die nicht davor warnt, dass der User von Facebook nun überall verfolgt wird.

Aber das ist nur ein Teil der Wahrheit. Personalisierte Werbung, die viele Medien bei Facebook nahezu empörend finden, gibt es eben nicht nur bei Facebook.

Halbwahrheiten

AGB werden selten gelesen. Und ich bin überzeugt, dass viele nicht nur die AGB der sozialen Netzwerke, in denen sie aktiv sind, allenfalls überflogen haben. Wenn diese AGB aber nun geändert werden und nicht alle Nutzer weltweit dazu Stellung nehmen dürfen, unabhängig, ob sie das überhaupt wollen, ist das Geschrei groß.

Was ist passiert? Im Grunde hat Facebook in seinen AGB festgeschrieben, was schon lange Zeit praktiziert wurde:
Die Datenrichtlinien sind so transparent und vor allem verständlich, dass sie sogar von Kritikern gelobt werden. Die Links auf Details führen leider auf einen englischen Text. Dass dieser von 2011 stammt, verdeutlicht, dass jetzt gefestigt wurde, was schon lange so angewendet worden ist 🙂

Es handelt sich um eine Datenverwertung, um Werbung besser personalisieren zu können. Das bedeutet im Einzelnen, dass Suchvorgänge im Netz mit konkreten Angeboten gekoppelt werden.
Wie es mir dieses Weihnachten passiert ist, als ich aufgrund einer Suche Werbung in Facebook eingeblendet bekam. Ich hatte etwas bei Ravensburger Spiele nachgesehen und hatte schon länger die Ravensburger Spiele auf Facebook „geliked“. Ab da wurde ich immer wieder genau an das erinnert, was ich mir angeguckt hatte.

Der Preis für kostenlose Nutzung – personalisierte Werbung

Nicht nur Facebook stellt eine hochkomplexe Software kostenlos zur Verfügung. Dass hierfür andere Kosten anfallen, damit diese Software auch weiterentwickelt werden kann, müsste jedem Nutzer klar sein.

Nur passiert das Tracking eben nicht nur auf Facebook. Ich hatte einmal bei einem Online-Versandgeschäft nach Kleidung geschaut – nichts bestellt! Ca. 4-6 Wochen hatte ich auf fast jeder Seite, die ich im Internet aufrief Werbung von dieser Seite mit dieser oder ähnlicher Kleidung eingeblendet. Mit dieser Seite war ich nicht auf Facebook verlinkt.

Zeitungen stellen viele ihrer Artikel online zur Verfügung. Ich nutze gerne das vielfältige Angebot, um mir einen Überblick über das Tagesgeschehen zu machen.

Zeitungen arbeiten mit den sogenannten Cookies. Diese ermöglichen es, dem Betreiber der aufgerufenen Seite den Benutzer über mehrere Seitenaufrufe hinweg zu verfolgen. Dazu wird dem Cookie vom Server eine eindeutige Session-ID zugeordnet, um ihn bei weiteren Aufrufen zu erfassen. Da diese Cookies gespeichert werden, nehmen sie bei jedem Öffnen des Browsers erneut „Kontakt“ auf.

Cookies löschen

Vielleicht ist manchem schon aufgefallen, dass Seiten darauf aufmerksam machen, dass Sie mit Nutzen einer Seite, meist Zeitung, den Cookies zustimmen. Es handelt sich um sogenannte „Tracking-Cookies“, die eine „Verfolgung“ ermöglichen. So hat ein Zeit-Kommentator allein 36 Tracking-Cookies für diese Online-Zeitung ausgemacht. Bei den anderen Online-Magazinen ist es nicht anders.

Dass der Nutzer nun auch in Deutschland auf Cookies aufmerksam gemacht wird, führt auf eine EU-Richtlinie zurück. Wer dem nicht zustimmt, kann die Seite allerdings auch nicht lesen.
Deshalb muss mit diesen Cookies anders umgegangen werden. Cookies werden bei jedem Browser anders verwaltet. Hier helfen die entsprechenden Anleitungen in den Browsern weiter. In firefox lassen sich die Cookies einzeln löschen unter „Einstellungen/Datenschutz“ im Dialogfenster „einzelne Cookies löschen“.

Cookies werden zudem auf der Festplatte abgespeichert und sollten regelmäßig gelöscht werden. Diese finden sich unter „Dokumente und Einstellung/username/Cookies“. Es lässt sich auch im Programm einstellen, dass diese Cookies grundsätzlich nicht gespeichert werden.

Zu sehen ist auf der Festplatte nur eine Textdatei mit vielen Zahlen, in der ganz versteckt
z. B. das hier zu finden ist: „zeit01.webtrekk.net!“ Mit „Track your Tracker“ kann jeder die Anzahl der verwendeten Tracker (Nutzerverfolgung im Internet) einer Seite ermitteln. Zeitungen stehen in der Anzahl Facebook in nichts nach.

Alle Cookies online zu löschen hat den Nachteil, dass man sich auch auf viel genutzten Seiten erneut einloggen muss. In Präferenzmanagement lassen sich Cookies einzelnen ausstellen.

Neben Löschen von Cookies und Deaktivieren von Tracker habe ich gelesen, dass einige ihre Browser runterfahren, bevor sie weiter im Netz surfen. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, ausschließlich einen Browser für Facebook zu Nutzen. Der Nachteil: Links zu Informationen können Sie so eher nicht nutzen.

Eigenverantwortung bei der Nutzung von Social Media

Es ist bei manchen Leuten regelrecht Panik ausgebrochen und einige versuchten sich mit Teilen von Bildchen gegen die kommerzielle Nutzung ihrer Daten zu verwahren. Solche Bilder zu teilen ist vergeudete Zeit.

Das Nutzen der sozialen Netzwerke hat sehr viel mit Eigenverantwortung zu tun.
Wer würde sich so offline verhalten, wie hier etwas überspitzt aufgezeigt wird?

 
In Facebook gibt es zusätzlich Möglichkeiten, die Verwendung der persönlichen Daten stark einzuschränken. Das bedeutet andererseits, dass nicht mehr alle Funktionen von Facebook genutzt werden können.

Es ist überlegenswert, ob Sie Facebook unbedingt auf Smartphone nutzen. Denn mit den Apps und der Standortbestimmung kann ein sehr detailliertes Personenprofil entwickelt werden.

Nicht nur auf Facebook sollte sich der User Gedanken darüber machen, was er von sich preisgibt und wie er sich verhält. Kunden, Interessenten oder Empfehlungsgeber begegnen einem immer und überall.
Denken Sie immer dran, ob Sie auch offline mehr oder weniger bekannten Menschen Bilder von Ihrer Familie oder gar in peinlichen Situationen in die Hand drücken würden. Sie berichten sicher nicht in einer größeren Runde von Menschen, bei denen sie ein paar nur flüchtig, andere gar nicht kennen über ihre intimsten Gedanken oder beschreiben wie und wo sie wohnen bzw. wann ihr Wohnraum nicht genutzt wird, welche Krankheiten sie haben oder wie sie Ihren Tagesablauf gestalten.

Die radikalste Lösung ist, kein Facebook mehr zu nutzen. Das gilt aber genauso für alle anderen sozialen Netzwerke. Da die Zeitungen – selbst bei „heise“ – vielfach mit Trackern arbeiten, müssten Sie hier auf Printausgaben zurückgreifen.

Kosten-Nutzen-Rechnung

Ich habe für mich eine persönliche „Kosten-Nutzen-Rechnung“ erstellt.

Es ist der „Preis“ dafür, dass ich eine sehr gute Software wie bei Facebook kostenlos nutzen darf. Ein Preis, der bei allen kostenfreien Online-Angeboten „bezahlt“ wird:
mal mehr mal weniger transparent.

Auf der anderen Seite erhalte ich viele kostenlose Informationen über Links, oder weil ich bei Fragen auf ein breites Publikum stoße. Ich kann mich amüsieren, austauschen, mit anderen lachen bzw. auch meinen Ärger teilen. Ich baue interessante Kontakte auf und bekomme Input für meine Tätigkeiten.

Interessant sind für Facebook vor allem die Unternehmensseiten. Aber auch das beruht auf Gegenseitigkeit, denn wir dürfen nicht vergessen: es gibt eine Vielzahl von Möglichkeiten, die kostenlos genutzt werden können.

Das gilt ebenso für alle Zeitungen, die wir so im Laufe des Tages nutzen. Wer klickt den Artikel nicht weg, wenn er gefragt wird, ob er ihn zahlen möchte, um ihm ganz zu lesen. Ob eine Zahlschranke wie immer mehr gefordert, das Tracking verhindert, wage ich zu bezweifeln. Und wir zahlen den Preis für kostenfreies Nutzen mit unseren Daten. Inwieweit wir uns von der eingeblendeten Werbung verleiten lassen, liegt wieder ein ganzes Stück weit in unserem Verantwortungsbereich.

So muss jeder seine eigene „Kosten-Nutzen-Rechnung“ erstellen oder wie es ein Kontakt formulierte: Ich bleib dabei, ist viel zu spannend.

Wenn Sie kein Internet und kein Handy mehr besitzen, dann machen Sie sich bei den Geheimdiensten verdächtig 😉

Mit dem notwendigen Maß an Eigenverantwortung verweisen für mich soziale Netzwerke, aber auch die Zeitschriften über ein größeres „Haben“. Das Soll kann ich jedenfalls besser kontrollieren als bei der offiziellen Spionage, die in diesem Zusammenhang nur zu gern vergessen wird. Für die neuen europäischen Überwachungsmaßnahmen interessiert sich der Datenschutz wirklich herzlich wenig. Nur wenige Zeitschriften nehmen dazu Stellung.

  • Übrigens
    Dieser Artikel mit den vielen weiterführenden Links und Tipps wäre mir ohne meine Kontakte in Facebook oder Google plus nicht möglich gewesen 🙂

 
Und wer noch weitere Tipps hat, darf sie gerne in einen Kommentar schreiben.

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Astrid Radtke

Über Astrid Radtke:

Astrid Radtke ist die Initiatorin von "Bürodienste in" Baden-Württemberg, Bayern und Rheinlandpfalz. Sinn des Projekts ist es qualifizierte Bürodienstleister zusammenzuführen und Unternehmen die regionale Suche zu erleichtern. Das Blog ergänzt mit Beiträgen die Kompetenz der Bürodienstleister und zeigt die Vielfalt der Leistungen auf.

5 Kommentare zu “Ich werde verfolgt! Facebook hat seine AGB verändert.”

  1. http://www.ennomane.de/2015/01/29/facebook-wo-ist-das-problem/
    „Dass in Wellenbewegungen immer abwechselnd Google und Facebook für irgendwas gebasht werden, scheint mittlerweile zum Biorhythmus des Internet zu gehören. Im Moment ist Facebook dran.“

  2. […] Ich werde verfolgt! Facebook hat seine AGB verändert. Astrid Radtke (@BD_in) in Bürodienste in:: Facebook hat bekannt gegeben, dass es seine AGB am […]

  3. Kristina sagt:

    Hallo Frau Radtke,

    das ist ein sehr guter Artikel. Ich finde die Panik mit Facebook für übertrieben. Gerade die großen Zeitungen geben sich als Moralapostel, über eigene Trackingmethoden wird wohlweislich nicht gesprochen.

    Zufällig arbeite ich gerade an einem Artikel über Cookies und wollte auch über die EU-Richtlinie schreiben. Ich überlege mir, wie ich ihren Artikel mit verlinken kann.

    Viele Grüße
    Kristina

    • Es ist das alte Motto: Haltet den Dieb. Zudem nutzen alle Zeitungen Facebook selbst. Dennoch kann ich mir vorstellen, warum Facebook vielen Zeitungen so ein Dorn im Auge ist. Werden dort eben auch Links zu ergänzenden und oft gut recherchierten Nachrichten geteilt. Das könnte zum Verlust von Lesern/Klicks führen.

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„Qualität ist der stärkste Feind
jeder Art der Vermassung.
Quantitäten machen einander
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Dietrich Bonhoeffer

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