Das Blog rund um Büro und Büroservice

Bürodienstleister schreiben für Bürodienstleister und Unternehmen


Telefonakquise – Kaltakquise nicht erlaubt

30. November 2013 verfasst von Astrid Radtke

Telefonakquise wird immer noch als Möglichkeit gesehen, Neukunden zu gewinnen oder Aufträge zu bekommen. Wer Neukunden gewinnen möchte und es über sog. Kaltakquise versucht, begibt sich auf extrem dünnes Eis, denn sie ist definitiv verboten.

Kundenkontakte aufbauen

Besonders schwierig ist es für Starter an neue Kunden zu kommen. Deshalb wird wider besseres Wissen in Gründerseminaren das Telefonieren zur Kundengewinnung trainiert. Es wird argumentiert, dass es im B2B Ausnahmen gibt, die aber praktisch nie Gültigkeit haben. Werbung bedarf in allen Fällen eine vorherige ausdrückliche Einwilligung. Das fängt am Briefkasten an und hört beim Telefon auf. Grundlage ist § 7 UWG Abs. 2. Nr. 3. Die mutmaßliche Einwilligung ist eine spezielle Auslegung, die gern genutzt wird, die aber bei Gerichtsverfahren selten greift – nicht einmal bei Geschäftskunden siehe weiter unten.

Lästige Anrufe

Das hat auch seinen guten Grund. Als ich noch in einer kleinen Firma für die gesamte Büroorganisation zuständig war, gingen ständig Anrufe ein, die meinem Chef Teppiche, Diamanten oder Aktien verkaufen wollten. Er war froh, dass ich mit dem Telefon vorgeschaltet war. Mich riss es aus der laufenden Tätigkeit. Andererseits bewarben auch wir unsere Dienstleistung telefonisch und unsere Studenten mussten sich immer wieder anhören, dass sie schon der x.te Anruf an dem Tag seien, und dass ihr Betrieb bald eine eigene Abteilung aufmachen könne für Werbeanrufe.

Jede unverlangte Werbung fordert die Aufmerksamkeit des Beworbenen und ist somit ein unzulässiger und damit ein zu unterlassender Eingriff in den Betriebsablauf bei einem Gewerbetreibenden (B2B).

Immer wieder werde ich von Damen angerufen, die mir für einen Eintrag in einem Adressbuch für meine Bürodienste einen kostenpflichtigen Vertrag aufschwatzen wollen, damit meine Seite besser gefunden wird.
Vor allem rund um das sog. SEO(Suchmaschinenoptimierung) wird das UWG sowohl bei Mails als auch beim Telefon häufig übertreten. Witzigerweise sind es aber gerade die Unternehmen, deren eigenen Seiten das nicht halten, was sie ihren Kunden gerne versprechen: gut gefunden zu werden.

Damit ist für mich klar, dass unseriöse Vorgehensweise eher für ein minderwertiges Produkt bewirbt. Gründer diesbezüglich zu beraten, scheint mir dann doch eher kontraproduktiv. Selbst, wenn der Angerufene keine Abmahnung schickt, dürfte der Existenzgründer mit dieser unerlaubten Vorgehensweise einen schlechten Eindruck hinterlassen. Einen potentiellen Kunden hat er damit eher verloren.

Wettbewerbsverzerrend

Nachdem seit 2008 die Grenzen gesetzlich sehr eng gesteckt sind, halten sich die meisten Unternehmen an das UWG. Damit ist für den Wettbewerb die gleiche Voraussetzung geschaffen. Kundenakquise muss neue Wege beschreiten und alle kämpfen mit ähnlichen Problemen.
Es ist deshalb verständlich, dass nicht nur der Beworbene gegen diesen unlauteren Wettbewerb vorgeht, sondern auch Gewerbetreibende, dem ganz schnell einen Riegel vorschieben, wenn ein Mitbewerber diesen Weg einschlägt.

Werben bei Geschäftskunden

Selbst bei Bestandskunden ist die telefonische Akquise mit Vorsicht zu behandeln und wird durch mehrere Gerichtsurteile belegt wie z. B. hier beim OLG Düsseldorf zu einem Urteil zur Einwilligung zu Werbezwecken.

Auch berechtigt ein Kontakt, der durch einen Auftrag entstanden ist, nicht dazu, nun das eigene Produkt/die eigene Dienstleistung durch Telefonakquise zu bewerben.

Tipps und Tricks

Trotz dieses Wissens, werden vor allen Dingen Gründer immer wieder in Einsteiger- und Beraterkursen dazu animiert, dass sie es doch mit Telefonieren und der damit verbundenen Kaltakquise versuchen könnten.

In einem Gespräch verstieg sich ein Berater sogar dahingehend zu sagen, hinterher zu behaupten, man wollte dem Unternehmen einen Auftrag erteilen und gar nichts verkaufen, denn der Angerufene könne ja schließlich nicht das Gegenteil beweisen. Solche Tipps halte ich in hohem Maße für unseriös.
Offenbar berufen sie sich diese „Tippgeber“ auf dieses Urteil, indem sich der Angerufene auf Vermutungen stützte und die Klage deshalb abgewiesen wurde.

Wichtig ist es also, dass der Anrufer sein Angebot formuliert. Dabei kann man sich entsprechend Notizen machen.

Oft gibt es Fehlinterpretationen zu Gerichtsurteilen, so dass zum Schluss in Foren steht: Der BGH hat telefonische Kaltakquise erlaubt. Hier ist es wichtig zu recherieren, ob sich die Gesetzeslage wirklich geändert hat.
Auch wenn damit geworben wird: Tipps und Tricks, wie man das UWG umgehen kann, gibt es nicht. In meinen Augen mangelt es hier an Seriosität. Dass auch größere Firmen mit allen möglichen Tricks erfolglos vor Gericht landen zeigen hier einige Urteile.

  • Hinweis:
    Die Rufnummernunterdrückung ist unzulässig. Solche Anrufe werden heute vielfach schon gar nicht mehr entgegen genommen.

Sich finden lassen

Zugegeben: Akquise zu betreiben ist schwer geworden, weil grundsätzlich vor der Werbung der Betroffene gefragt werden muss, ob er beworben werden möchte. Dennoch schaffen es Startup wie z. B. „My Müsli“ mit reinem Online-Handel zu expandieren und gehen jetzt den umgekehrten Weg, indem sie Geschäfte eröffnen.

Die Prämisse ist heute, dass man gefunden wird. Das Internet bietet vielfältige Möglichkeiten Marketing zu betreiben. Hier lässt sich insbesondere für Gründer mit Engagement einiges bewegen.

Das könnte Sie auch interessieren

 

 

Tags: , , , , , , , ,

Astrid Radtke

Über Astrid Radtke:

Astrid Radtke ist die Initiatorin von "Bürodienste in" Baden-Württemberg, Bayern und Rheinlandpfalz. Sinn des Projekts ist es qualifizierte Bürodienstleister zusammenzuführen und Unternehmen die regionale Suche zu erleichtern. Das Blog ergänzt mit Beiträgen die Kompetenz der Bürodienstleister und zeigt die Vielfalt der Leistungen auf.

5 Kommentare zu “Telefonakquise – Kaltakquise nicht erlaubt”

  1. Guten Morgen Frau Radtke,
    Ihnen zuerst einmal ein gesundes und erfolgreiches 2014.

    Inhaltlich haben Sie recht, aber wie so oft im Leben liegt es eben an den Zwischentönen und Feinheiten, ob etwas funktioniert oder nicht. Ich bin auch völlig bei Ihnen, dass man die Möglichkeiten der modernen Medien im positiven Sinne als Ergänzung nutzt, zumindest dort wo es Sinn macht.

    Da ich alles andere als ein Blogger bin, werde ich mich auch an dieser Stelle wieder verabschieden, denn ich schreibe nicht des Schreibens willens…

    MfG
    Matthias Sick

  2. Sehr geehrter Herr Sick,

    es trifft eben nicht nur Callcenter und sicher werden viele Firmen auf einen freundlichen Anruf nicht gleich mit einer Abmahnung reagieren.

    Aber ich schrieb, das Eis ist sehr dünn und es ist schlicht verboten, wie auch die vielen Gerichtsurteile belegen.

    Die Beratung für Gründer sollte sich deshalb in erster Linie den neuen Wegen widmen, die es durchaus gibt. Die sind allerdings zeitaufwändig. Dafür ist Zeit etwas, was ein Gründer mit wenigen Kunden noch am meisten hat. Neukundengewinnung ist heute nicht mehr ausschließlich Vertrieb.

  3. … ich denke man sollte zwischen Callcenteraktivitäten und einer seriösen Arbeitsweise und im übrigen auch in der Industrie anerkannten Arbeitsweise klar unterscheiden.

    Insbesondere hier macht der Ton die Musik und vor allem die Art und Weise wie man ein Gespräch führt. Die plumpe Callcentermasche hat meiner Meinung nach nichts in der Industrie und auch nichts im privaten Bereich verloren. Der weitaus bessere Weg ist sicherlich aktives Empfehlungsmarketing.

    Wahrscheinlich ist es reines Glück, dass ich in über 20 Jahren aktivem Vertrieb noch mit keinem Anwalt in diesem Thema zu tun hatte, aber dafür mit neu gewonnenen Kunden…

    Ich bin einer dieser angesprochenen Berater und wenn jemand bei Null beginnt, ist das eine Möglichkeit neue Kundenkontakte zu generieren. Und wenn man einige Regeln in der Arbeitsweise berücksichtigt, wird sich auch kein angerufener potentieller Neukunde daran stören.

    LG Matthias Sick

  4. […] Telefonakquise – Kaltakquise nicht erlaubt Astrid Radtke (@BD_in) in Bürodienste in:: Telefonakquise wird immer noch als Möglichkeit […]

Schreibe einen Kommentar


„Qualität ist der stärkste Feind
jeder Art der Vermassung.
Quantitäten machen einander
den Raum streitig.
Qualitäten ergänzen einander.”

Dietrich Bonhoeffer

Neueste Beiträge

Aktuelle Umfrage

Sind Newsletter noch aktuell? - Zwei Antworten möglich

View Results

Loading ... Loading ...

Nachrichten zum Home-Office

Spiegel Online - Karriere
Ein gebrochenes Bein im Home-Office ist kein Arbeitsunfall

Passwörtern nicht ständig ändern

Seit der Dampfmaschine haben neue Technologien Arbeitsplätze vernichtet und neue sind entstanden

Begrüßung wird in vielen Kulturen unterschiedliche gehandhabt. Der Handschlag ist nicht die Norm.


 
follow us in feedly
 

Anzeige

Hier kann Ihre Anzeige stehen zu
  • Büromaterial
  • Büromöbel
  • Software
  • Seminaren / Workshops
  • u. v. m.

Anzeige

Unwetterwarnungen

Aktuelle Unwetterwarnungen für Deutschland
Bürodienstleister in Bayern Bürodienstleister in Baden-Württemberg Bürodienstleister in Rheinland-Pfalz
Share with your friends









Submit