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E-Book – das Buch der Zukunft?

18. März 2012 verfasst von Astrid Radtke

Neben der virtuellen Sekretärin, dem Cloud-Computing mit den virtuell verfügbaren Firmendaten kommt der nächste Hype mit dem virtuellen(!) Buch, dem sog. E-Book. Verlage werden nervös, befürchten Sie einen Einbruch beim Bücherverkauf. Das Buch ganz ohne Papier – könnte das möglicherweise ressourcenschonend sein? Vielleicht ergeht es mit dem papierlosen Buch ähnlich wie dem papierlosen Büro: es wird mehr Bücher geben als zuvor. Die Verleger würde es sicher freuen.

Das E-Book bringt zweifellos Vorteile

Unterwegs in der Bahn, aber auch im Park, überall sind auch Bücher mit vielen Seiten verfügbar, weil sie platzsparend im E-Book aufgerufen werden können. Mit einem Gewicht von ungefähr 280 g und Abmessungen von 12,6 x 1,3 x 17,5 cm passt es sogar fast in jede Handtasche. Die Seiten verknicken nicht, es kann jederzeit an der Stelle weitergelesen werden, an der der Text unterbrochen wurde. Die Nachbildung der Seiten ist wirklichkeitsgetreu einschließlich des Umblätterns bei Seiten.

Zurückblättern wird durch die Suchefunktion zu einem Kinderspiel und Markierungen in Sachtexten können gut verarbeitet werden. Vor allem Querverweise sind über Link bequem zu erreichen. Notizen im und am Text sind ebenso möglich. Auch kann über weitere Medien wie Podcast oder Filme passend zum Thema zugegriffen werden. Hier bringt das E-Book vor allem für Sachbücher eindeutig Vorteile.

Auch auf Reisen benötigt Literatur im Reisegepäck kaum mehr Platz. Zudem bieten Büchereien vermehrt die Ausleihe von E-Books an.

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier

Zunächst müssen sowieso die Voraussetzungen für das Lesen geschaffen werden. Dazu gehören also ein E-Book-Reader sowie diverse Zubehörteile. Anschließend müssen die Bücher ausgesucht werden, was sicher über das Internet entsprechend einfach ist. Nun ergeben sich die ersten Hürden. Nicht jedes E-Book kann auf jedem Reader gelesen werden. Zudem bereitet die Schriftgröße noch Probleme. Bei den Abmessungen des Lesegeräts verständlich, hat es nicht einmal die Größe eines durchschnittlichen Taschenbuches. Diese sind mindestens 19 cm lang.

Dazu kommt, der Mensch ist haptisch. Das Gefühl des Papiers beim Umblättern darf nicht unterschätzt werden. Vielfach wird es darauf hinauslaufen, dass viele Seiten, die dem Leser wichtig erscheinen ausgedruckt werden. Und meine Bettlektüre möchte ich persönlich nicht auf einem Bildschirm lesen.

Energie- und Ressourcenverbrauch

Es bleibt die Frage ist alles, was machbar ist, auch wirklich notwendig?

Bei all diesen „neuen“ technischen Errungenschaften rund um PC und Internet sollte bei aller Euphorie auch bedacht werden, der Energie- und Ressourcenverbrauch wird damit auch in Zukunft kräftig steigen. Spätestens seit sich gezeigt hat, dass Atomenergie alles andere als sicher und preiswert ist, sollte sich jeder langsam Gedanken machen, welche Tätigkeiten auch ohne Stromverbrauch geleistet werden können. Dazu gehört eindeutig das Lesen. Schon 2009 schrieb der u. a. der Spiegel, dass das Internet zu viel Strom benötigt. Inzwischen ist die Tendenz steigend und mit jedem Angebot, das nur online verfügbar ist, steigt dieser Energieverbrauch. Der Einzelne mag das nicht so spüren, aber hier ist es doch die Vielzahl der Anwender weltweit, die zu einer immensen Steigerung der Energie führen.

Ferner sind E-Book-Reader wie alle anderen Elektronikartikel auf seltene Erden angewiesen, die teilweise doch unter recht fragwürdigen, oft menschenverachtenden Umständen gefördert werden. Dazu wird auch die Umwelt nachhaltig belastet und zerstört.

Zubehörteile für den Reader sorgen für zusätzlichen Energie- und Ressourcenverbrauch. Zu den Zubehörteilen gehören

  • eine Tasche zum sicheren Transport eines E-Books
  • ein Stift, um auf dem Tablett Notizen machen zu können
  • ein Head-Set zum Hören von Einspielungen
  • eine ansteckbare Leselampe ist sicher oft von Vorteil soweit nicht bereits eine Beleuchtung integriert ist
  • ein Halter bzw. Ständer für Lesekomfort sind empfehlenswert
  • nicht zuletzt gehören recht unterschiedliche Verbindungskabel zum Zubehör
  • die Möglichkeit Texte zu markieren
  • Zugriff auf E-Books der Bibliothek vor Ort

 
Damit wird je nach Qualität und Funktionsfähigkeit leicht aus einem einfachen E-Book-Reader von 60,00 Euro mindestens der doppelte Preis. Zusätzlich steigt mit vielen Funktionen wie Leselampe oder Head-Set wiederum der Energiebedarf.

Das Buch ein Kulturgut

Eine Bibliothek wirkt auf mich ehrwürdig. Aber auch in den meisten Wohnungen sind Bücherwände ein Zeichen für vielfältige Interessen. Dazu kommt ein nicht zu unterschätzender Nebeneffekt: Bücherwände schlucken Geräusche. Sie heben damit die Wohnqualität. Sicher gibt es inzwischen Attrappen mit Buchrücken zu kaufen, aber ich glaube diese leeren Hüllen bringen nicht die Tontiefe eines Raumes wie mit echten Büchern.

Bücher werden im meinem Umfeld wieder häufiger zum Geschenk. Schön verpackt, mit Liebe ausgesucht vielleicht sogar direkt beim Buchhändler bringt hier das Buch alte Kommunikationswege zurück. Dazu gehört das persönliche Gespräch genauso wie die Reaktion des Gegenüber beim Auspacken eines Geschenks in Gestik und Mimik. Die Datei mit dem E-Book, auch versehen mit einem freundlichen Smiley, über E-Mail verschickt, lässt wenig Spielraum für echte Kommunikation.

Bezug zum Text

Natürlich gibt es eine ganze Reihe von Leuten, die Bücher nach dem Lesen wegwerfen. Ein E-Book lässt sich platzsparend aufheben oder wird einfach gelöscht.

Es verändern sich zwar Inhalte der Bücher nicht, aber die eigene Einstellung durch Erfahrung lässt manches Buch nach längerer Zeit in neuem Licht erscheinen. Andere Bücher gewinnen sogar wieder an Aktualität. Wer hätte gedacht, dass das Kapital von Marx durchaus auch von Wirtschaftswissenschaftlern gelesen wird. Auch Schiller hat an Aktualität gesellschaftspolitisch gesehen nichts an Brisanz verloren.

Das Buch spielt also kulturell eine große Rolle. Deshalb ist die Verbreitung von E-Books in Amerika kein Gradmesser für die Entwicklung in Europa, speziell in Deutschland. Bücherverbrennungen zeigen dies besonders deutlich. Wo Bücher verbrannt werden, wird die Volkesseele getreten oder wie es Heinrich Heine einst formulierte: „Dort, wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen.“ Und wie sieht es aus, wenn Bücher auf einmal nur noch unnahbare Buchstaben auf einem Bildschirm sind?

Das E-Book – ein Buch mit Zukunft?

Möglicherweise ist die Kombination aus Buch und E-Book eine interessante Alternative vor allem im Bereich der Sachliteratur. Das Buch lesen, die Verarbeitung und Suche nach Textstellen und Verweisen über das E-Book, vielleicht z. B. Grafiken und Tabellen nochmals im Buch genauer ansehen. Das Buch selbst landet später in der Bibliothek, wo es bei Bedarf auch schnell zur Hand ist – auch ohne Strom bei Kerzenlicht.

Bei der Belletristik sehe ich persönlich keinen Bedarf und sei es, weil ich mein Buch gern stromlos irgendwo genießen möchte.

Dass Verleger um ihre Verlage fürchten, kann ich im Moment unter diesen Aspekten nicht nachvollziehen.

Nur mit Büchern lässt sich so eine „Bücherhöhle“ bauen 🙂
Bücherhöhle


 

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Astrid Radtke

Über Astrid Radtke:

Astrid Radtke ist die Initiatorin von "Bürodienste in" Baden-Württemberg, Bayern und Rheinlandpfalz. Sinn des Projekts ist es qualifizierte Bürodienstleister zusammenzuführen und Unternehmen die regionale Suche zu erleichtern. Das Blog ergänzt mit Beiträgen die Kompetenz der Bürodienstleister und zeigt die Vielfalt der Leistungen auf.

5 Kommentare zu “E-Book – das Buch der Zukunft?”

  1. Oh, das ist ein sehr weites Feld: Ist alles Machbare wirklich notwendig… Das fragen Sie mal die Wissenschaftler 😉

    Nein, Spaß beiseite – selbstverständlich leben wir in Zeiten, in denen sämtlicher Energieverbrauch zu hinterfragen ist. Und ja, die Autoindustrie könnte schon viel weiter sein hinsichtlich der ökologischen Aspekte. Aber, wenn wir jetzt einen Blog zum Thema „Fortschritt, Wissenschaft und Ökologie“ aufmachen möchten, dann muss ich mich ausklinken: So kompetent bin ich in diesen Fragen nicht 😉

    Interessant ist aus meiner Sicht das Virtuelle an sich. Hier kommen wir zum Aspekt der Kommunikation und wie sie sich im 21. Jahrhundert gestaltet. Und wenn wir da ansetzen, dann glaube ich, dass wir uns alle bereits geändert haben und den Fortschritt des Virtuellen als positiv bereits akzeptiert haben.

    Heißt: Der Mensch ist von Hause aus neugierig auf alles Neue und nutzt das Positive aus. Das Negative kommt dann zwar irgendwann geballt, aber, deshalb ist der Mensch da, wo er ist (das kann man jetzt sehr kontrovers sehen). Und Kommunikation findet nun einmal auf mehreren Ebenen statt – und wir Bürodienstleister müssen notgedrungen mit dem Virtuellen leben, es hilft uns sogar, mit Kunden zu kommunizieren und Aufträge entgegen zu nehmen, die ohne das Virtuelle gar nicht möglich wären.

    Und nun noch mein Kommentar zum E-Book an sich: Ich habe keins…. ich lese gerade noch ganz altmodisch und werde zukünftig meinen Bücherschrank weiter füllen.

    • Astrid Radtke sagt:

      Sie bringen es wunderschön auf den Punkt: Das Virtuelle ist schon längst Teil unseres Alltags. Der Witz ist, dass jetzt dieses Wort für viele Dienste herhalten muss. Wie ich schon schrieb: alter Wein in neuen Schläuchen.

      Bürodienstleister sollten hier wirklich die Möglichkeiten voll nutzen. Gerade im Bereich Marketing ist die virtuelle Welt oder althergebracht das Internet für den modernen Bürodienstleister eine Bereicherung.

      Mich stört, dass jetzt massiv Dienste angepriesen werden als Ei des Columbus, was es in gewisser Weise schon längst gibt. Da komme ich ins Grübeln, wem das denn so alles nutzt.

      Deshalb sollte man bei aller Euphorie auch hin und wieder innehalten und vorausdenken, welche Folgen neue Entwicklungen haben können und inwieweit hier frühzeitig Kompromisse gefunden werden müssen.

      Wir haben uns schon viel zu sehr in eine neue Abhängigkeit begeben.

  2. In dem Artikel gehe ich ja durchaus auf die positiven Aspekte eines E-Books ein.
    Aber gerade aus ökologischer Sicht ist die Frage nach stetigem Fortschritt mit Vorsicht zu betrachten.
    Ist es nicht gerade heute das Auto, das uns völlig abhängig gemacht hat, andererseits aber Umwelt und Gesundheit nachhaltig schadet. Über 4.000 Verkehrstote (von vielen Verletzten gar nicht gesprochen) dürfen auch nicht vernachlässigt werden.

    Ist es wirklich ökologisch sinnvoll, den Energieverbrauch dadurch weiter zu steigern, indem nur noch über Datennetze gearbeitet, gelesen, kommuniziert wird?

    Ein Buch kann aus recyceltem Papier hergestellt werden. Das E-Book benötigt aber von jedem Leser Energie. Der steigende Energiehunger wird zukünftige Generationen in unvorstellbarem Maße belasten. Es ist jetzt schon vielfach nicht klar, wo all die benötigte Energie herkommen soll. Die Atomkraftlobby wird schnell wissen, wie man dem begegnen kann.

    Es geht darum, dass gelernt wird, für das Machbare Verantwortung zu übernehmen. Und es stellt sich die Frage: ist alles Machbare auch wirklich notwendig?

  3. Mit Neuerungen ist es immer so wie mit der Erfindung des Autos: Hätte sich vor 120 Jahren jemals die breite Bevölkerung vorstellen können, dass das Auto das Pferd und die Kutsche ablösen würde? Es machte Lärm, stank, war viel zu schnell und in vieler Augen gefährlich, jedenfalls gefährlicher als Reiten oder ein Gespann lenken. Denn das Pferd war allen bekannt und seit Jahrhunderten das Fortbewegungsmittel für alle.

    Heute stehen wir vor der Frage, wie es sich zum einen mit der menschlichen Gewohnheit verhält (können wir das Blättern in einem Buch aus unseren Köpfen streichen?), und zum anderen, wie sich das Verhältnis „Produktionskosten/ Energieverbrauch von E-Books“ zum „Holzverbrauch/ Herstellungskosten von Büchern“ sowohl wirtschaftlich als auch ökologisch darstellt.

    Die Zeit wird es zeigen…

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„Qualität ist der stärkste Feind
jeder Art der Vermassung.
Quantitäten machen einander
den Raum streitig.
Qualitäten ergänzen einander.”

Dietrich Bonhoeffer

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