Cloud oder Cloud-Computing ist ein Schlagwort, das neuerdings durch viele Foren geistert. Die „Cloud“ soll vor allem ein zukunftsweisender Dienst sein. Steve Job bezeichnet seine i-Cloud sogar als „Speicherplatz im Himmel“ und möchte damit den Computer überflüssig machen.
Jeder, der eine Website betreibt, kennt das bereits: er mietet über einen Server im Web ein bestimmtes Volumen an Speicherplatz. Dieses Prinzip soll nun auf alle Bereiche angewendet werden. Ausschließlich ein Dienst, irgendwo auf der Welt, stellt eine bestimmte Menge an Speicherplatz zur Verfügung.
Neben den großen Anbietern Google, amazon.com und Microsoft finden sich auch kleine Anbieter wie Dropbox und SugarSync. Diese kleinen Anbieter nutzen allerdings amazon-Dienste und versuchen den Markt durch Zusatzangebot für sich zu öffnen.
Leben ohne Computer
Der PC steht nach den Vorstellungen der Cloud-Anbieter nicht mehr im Zentrum des Firmengeschehens, sondern dieser ist nur noch eines von vielen anderen Geräten. Denn alle Programme, die in einem Unternehmen benötigt werden, können nun über die Cloud online benutzt werden.
Eine Aktion im Internet, ein Speichern in der Cloud und alle relevanten Geräte (Tabletcomputer, Smartphone etc.) erhalten automatisch auch die Möglichkeit auf diese Aktion zuzugreifen. Ist dies vielleicht für Musik oder Videos noch verständlich, habe ich da bei firmenspezifischen Daten so meine Zweifel.
Denn Anwendungen wie Software und Datenspeicher aber selbst ein Rechenzentrum befinden sich dann nicht mehr auf lokalen Rechnern oder Servern, sondern haben ihren Speicherplatz im Internet bei einem Anbieter angemietet. Sie befinden sich in einer imaginären Wolke eines Dienstes, der weit weg vom Standort ist– im Allgemeinen in Amerika.
Vorteile der Cloud
Die Vorteile liegen zunächst auf der Hand:
- Der Computer vor Ort ist entlastet
- Auf alle Daten kann von überall zugegriffen werden
Vor allem für Mitarbeiter, die nicht mehr ausschließlich vor Ort arbeiten, kann dies von großem Vorteil sein - Die Übertragung mit Hilfe von Speichermedien auf andere Computer oder Notebook entfällt
- Fehler beim Überspielen von Daten können so vermieden werden
- Der Zeitaufwand für das Überspielen entfällt vollkommen
Verführerisch ist, dass dieser Dienst im Gegensatz zum Webspace für Websites von Apple kostenlos mit fünf Gigabyte Speicher angeboten werden soll.
Nachteile der Cloud
Diesen Vorteilen stehen aber noch eine ganze Reihe von Problemen und Fragen gegenüber.
Hoher Energiebedarf der Rechenzentren für Clouds
So benötigen Clouds ein Vielfaches der Energie, die ein Server vor Ort benötigt. So hat Greenpeace eine Studie dazu erstellt: Wie schmutzig sind Deine Daten mit erstaunlichen Ergebnissen: Wäre die Cloud ein Land, würde es den fünftgrößten Strombedarf der Erde beanspruchen – siehe auch Artikel in der Zeit “Wie grün sind eure Clouds“.
Nur ein geringer Anteil dieser Energie wird aus erneuerbaren Energien bezogen. Der höchste Anteil wird über Kohlekraftwerke gewonnen, gefolgt von Atomkraft.
Cloud und Datenschutz
Insbesondere in Europa reagiert man skeptisch auf diesen Dienst.
Trotz der eben genannten Vorteile werden auch viele Nachteile gesehen. Gerade in Amerika hat man ein anderes Verhältnis zum Umgang mit Daten als in Europa. Es gibt keine Sicherheit, dass Firmen-Daten nicht doch für unbekannte Zwecke genutzt werden. Dazu kommt, dass schon ein Angriff auf firmeneigene Server möglich ist. Es stellt sich dann eben die Frage, wie ein Zugang zu so einer umfangreich dimensionierten Datensammlung geschützt werden kann.
Datenrechtliche Bestimmungen werden insbesondere von amerikanischen Unternehmen anders gehandhabt als es der deutsche Anwender gewohnt ist. AGBs müssten gründlich gelesen und alle Ausschlussmöglichkeiten gründlich überprüft und entsprechend angewendet werden.
Wirtschaftskriminalität auch heute schon ein großes Problem
Vor allem, wenn man liest, dass große Firmen wie Sony und selbst wichtige Rechenzentren massiven Angriffen von Hackern ausgesetzt waren, wächst sie Skepsis um so mehr.
Schon heute gehört Betriebsspionage zu den Wirtschaftsdelikten, die enormen Schaden anrichten. Daten, die gewissermaßen für jedermann zugänglich irgendwo auf der Welt auf einem Server liegen, reizen Hacker doch gerade dazu, diese für sich zu nutzbar zu machen. Datenlecks können für Firmen das Ende bedeuten, z. B. wenn Konstruktionspläne in die falschen Hände geraten.
Wirklich zukunftsweisend?
Schon allein, weil Schadensersatzansprüche noch nicht klar geregelt sind, ist diese Idee des Cloud-Computing meines Erachtens in nächster Zukunft keine Alternative für Firmen.
Ob langfristig alle Sicherheitsfragen wirklich zufriedenstellend gelöst werden können, wage ich zu bezweifeln. Zu unterschiedlich sind die Rechtssysteme – auch, was den Datenschutz anbetrifft – weltweit. Und auch die Datensicherheit scheint aufgrund der bisherigen Erfahrung nicht unbedingt gewährleistet.
Die Frage der Datensicherheit gerät gern in den Hintergrund, wenn neue Techniken allzu euphorisch angepriesen werden. Christoph Süß sieht das in seinem quer-schläger etwas satririsch: Der Renner auf der Cebit – die Cloud
Auch der Apple-Mitbegründer Steve Wozniak steht dem Cloud-Computing eher skeptisch gegenüber. Er warnt Firmen, die Kontrolle über ihre Daten zu verlieren.
Das könnte Sie auch interessieren
- Cloud – ein verbaler Nebel
- Das Büro von morgen
- Co-Working Büros – Gemeinschaftsbüros auf Zeit
- Rechtliche Fallen im Internet
Tags: Cloud-Computing, Datenrechtliche Bestimmungen, Datensicherheit, i-Cloud, Smartphone, Speicherplatz, Webspace


[...] Cloud – die Wolke im Internet [...]
Die Cloud wird für die IT das sein, was der Webstuhl für die Industrialisierung war. Die Information steht im Vordergrund.
So lange die Daten in Europa gespeichert werden und der Hoster vertrauenwürdig ist, gibt es m. E. keine Bedenken gegen eine Auslagerung der Daten, zumindest nicht aus Sicht des Datenschutzes. Etwas anderes könnte im Hinblick auf § 203 StGB gelten und / oder nach der Abgabenordnung.
Aber das kommt halt immer darauf an, wer Datenhalter ist und letztendlich um welche Art des Geschäfts es sich handelt.
Ach ja und dann einmal eine Frage, wer hat eigentlich schon einen eigenen E-Mail-Server in seinem Office stehen? Steht der nicht auch beim Provider und sind war damit nicht schon alle seit Jahren – zumindest teilweise – in der Cloud tätig?
Mit bestem Gruß
H. Treysse
Dann möchte ich Sie auf den aktuelleren Artikel zu dem Thema aufmerksam machen: http://www.buerodienste-in.de/2012/03/die-cloud-jede-wolke-ist-auch-nebel/
Dort schreibe ich nämlich ein alter Dienst wird mit einem neuen Namen versehen und mit einem erweiterten Service angeboten.Ob man seine Firmendaten jetzt unbedingt auch auf einen sicheren europäischen Server auslagern möchte,ist bei den Möglichkeiten Server zu hacken, die andere Frage. Für Hacker ist ein großer Server interessanter als eine Firma allein.