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Das „offene“ Büro – der Mitarbeiter, der im Glashaus sitzt

18. Januar 2011 verfasst von Astrid Radtke

Das Großraumbüro war eine Idee aus den 60iger Jahren und kam wohl mit dem ersten Großraumbüro 1961 bei Bertelsmann auf. Die Motivation dahinter war wie heute eine wahrnehmbare Kommunikation mit dem Arbeitnehmer. Dazu kommt, dass Flächen besser ausnutzt werden können bzw. durch bewegliche Raumteile eine größere Flexibilität geschaffen wird. Für die meisten Mitarbeiter bedeuten Großraumbüros aber zusätzlich Stress. Warum sollte es also in einem Büro mit durchsichtigen Wänden anders sein?
Sie kennen es sicher aus vielen Filmen: Büros, die nur durch Glaskabinen abgetrennt sind. Das Großraumbüro bleibt erhalten, jeder sieht jeden, aber die Geräuschkulisse am Arbeitsplatz fällt für den Einzelnen weg. Die Auswirkungen auf die Arbeitnehmer sind dennoch ähnlich wie in Großraumbüros. Eine individuelle Bürogestaltung ist nicht möglich.

Das Für und Wider der Großraumbüros

Großraumbüros lohnen sich für die Firmen: neben besserer Nutzung der Fläche sparen sie auch bis zu 20% Entwicklungskosten. Andererseits belegte eine Studie im Frühjahr 2009, dass Großraumbüros schneller krank machen als normale Büroräume. Nicht nur, dass die Arbeitnehmer anfälliger für Erkältungen sind, aufgrund der fehlenden Privatsphäre sind sie häufiger gereizt und damit weniger produktiv. Die eingesparten Entwicklungskosten dürften durch diese Auswirkungen schnell ins Gegenteil umschlagen.

Wie im Aquarium

Ich kann es mir nicht vorstellen, in einem Büro zu sitzen, nur von Glasscheiben umgeben, für jeden zu jeder Zeit sichtbar. Und mein Unbehagen gibt mir Recht. Auch hier zeigt sich, dass ein Gefühl der ständigen Beobachtung zu schlechteren Leistungen führt. Mitarbeiter arbeiten vor allem dann erfolgreich zusammen, wenn die Beziehungen der Mitarbeiter untereinander stimmen und sie sich bei Routineabläufen aufeinander verlassen können. Dies schafft Vertrauen und führt zu einer notwendigen positiven Einstellung gegenüber Arbeit und Unternehmen. Das Leben auf dem Präsentierteller führt hingegen nicht zu mehr Vertrauen, sondern verunsichert mit den verbundenen Stressfaktoren.

Schließlich ist es die Produktivität des Mitarbeiters, die dem Unternehmen den gewünschten Erfolg ermöglicht.

Arbeiten im „Glashaus“ als selbstständiger Bürodienstleister

Bei einer Urlaubsvertretung oder als Krankenvertretung kann es Ihnen als Selbstständiger durchaus passieren, dass Sie in die Situation kommen, für alle sichtbar arbeiten zu müssen. Dabei ist es hilfreich zu wissen, dass einem diese Art zu arbeiten nicht auf Dauer zugemutet wird.

Im Gegenteil für einen Außenstehenden kann diese „Übersichtlichkeit“ von Vorteil sein, denn Strukturen im Betriebsablauf und Zugehörigkeiten werden schneller erkannt. Die Einarbeitung in die innerbetrieblichen Zusammenhänge dürfte dies also vereinfachen.

Die Teeküche – ein optimaler Treffpunkt

Dennoch werden die Nachteile immer deutlicher. Vor allem demotivierte Mitarbeiter, die häufig krank sind, zahlen sich für einen Betrieb nicht aus.

Aus diesem Grunde gibt es inzwischen Überlegungen, wie ein Arbeitsumfeld geschaffen werden kann, das die Arbeitsleistung fördert. Ideen für ein „Büro von morgen“ beschäftigen deshalb auch Wissenschaftler immer wieder. Prof. Bernhard Zimolong leitet den Lehrstuhl für Arbeits- und Organisationspsychologie an der Ruhr-Universität Bochum und stellt in einem Interview fest, dass Teeküchen der optimale Ort sind, an dem Mitarbeiter sich austauschen können. Denn die Teeküche ist der Ort, an dem sich Mitarbeiter immer wieder begegnen. Der persönliche Kontakt wird gefördert. Der vermehrte virtuelle Austausch entfremdet hingegen die Mitarbeiter und führt zu einer gewissen Anonymisierung. Beziehungen werden nicht mehr aufgebaut, eine echte Kommunikation weicht dem reinen Informationsaustausch. Die Kreativität und Ideenfindung im gemeinsamen Gespräch bleibt auf der Strecke.

Prof. Bernhard Zimolong hat sich weiterführende Gedanken zu gesundem und produktivem Arbeiten im Büro der Zukunft gemacht. Das ganze Interview finden Sie in der „Zeit online“ unter dem Titel „Viele halten das Arbeiten auf dem Präsentierteller nicht aus“

Ideen von einem „Büro von morgen“ hat es schon immer gegeben und zeigt, dass es sehr schwer ist, eine Planung in die Zukunft wirklich langfristig zu gestalten. Die Büro-Technik aber auch immer wieder neue Erkenntnisse der psychosozialen Aspekte der Zusammenarbeit im Büro, fordern kontinuierliche Anpassungsprozesse. Ob sich damit ein Szenario für ein „Büro von morgen“ aufbauen lässt, möchte ich deshalb bezweifeln.

Das muss auch bei der Büroorganisation durch externe Berater berücksichtigt werden.

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Astrid Radtke

Über Astrid Radtke:

Astrid Radtke ist die Initiatorin von "Bürodienste in" Baden-Württemberg, Bayern und Rheinlandpfalz. Sinn des Projekts ist es qualifizierte Bürodienstleister zusammenzuführen und Unternehmen die regionale Suche zu erleichtern. Das Blog ergänzt mit Beiträgen die Kompetenz der Bürodienstleister und zeigt die Vielfalt der Leistungen auf.

ein Kommentar zu “Das „offene“ Büro – der Mitarbeiter, der im Glashaus sitzt”

  1. Dass das Großraumbüro oder die berühmten „Arbeitszellen“ oder „Glaskästen“ heute längst überholt sein sollten weiss mindestens jeder, der in einer solchen Umgebung schon einmal versucht hat, produktiv zu arbeiten. Außerdem hat sich die Arbeitswelt in den letzten Jahren extrem verändert, auch durch technoligische Neuerungen, die vor ein paar Jahren noch nicht denkbar waren.

    Manche Firmen haben ihre Bürogebäude aufgehübscht, um leichter an Personal zu kommen – mit Erfolg. Gute Arbeitsbedingungen zählen manchmal eben doch mehr, als bessere Bezahlung. Interessant ist auch z.B. das Office von Google in Zürich – googeln Sie’s mal….

    Aber auch in kleineren, weniger innovativen Firmen ist es möglich, die Arbeitswelt flexibler zu gestalten: Offene Räume, Rückzugsmöglichkeiten für Besprechnungen oder konzentriertes Arbeiten, Arbeitspätze zum Mitnehmen – technisch alles kein Problem mehr. Irgendwann werden sich die Großraum-orientierten Firmen anpassen müssen. Spätestens wenn sich der Fachkräftemangel auch in ihrer Branche bemerkbar macht.

    In diesem Sinne: Frohes Schaffen!
    Gabriele Knapp

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